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Leben als “Normalo” in einer der teuersten Gegenden der USA

Wie ich bereits in einem anderen meiner Artikel erwähnte, darf man sich nicht von dem, in der Ausschreibung angegeben Gehalt blenden lassen. Die Gehälter variieren auch hier, von Region zu Region, basierend auf den Lebenshaltungskosten. Dennoch erscheinen sie im ersten Moment extrem hoch. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie es war, als ich den Job als Senior F&B Manager in Kalifornien in der Tasche hatte und den Leuten, die mich fragten, davon erzählte. Ich konnte mir nicht verkneifen im Nachsatz wenigstens zu erwähnen:“ … dass die Hotellerie in den USA anscheinend verstanden hat, dass eine Gehaltsanpassung nötig ist, um gute Leute zu bekommen, und diese zu halten.” Immerhin stand in meinem Vertrag fast das doppelte Gehalt, als in meiner letzten Position in Deutschland. Dementsprechend gehypt bin ich also „rüber”, natürlich für die Erfahrung, und meine private, als auch berufliche Weiterentwicklung, umso viel zu lernen wie möglich und meinen Horizont zu erweitern. Aber auch mit meinem Gehalt im Hinterkopf, irgendwie guter Dinge nicht nur plus-minus-null zurückzukommen, sondern mehr noch, eine solide finanzielle Grundlage für die Rückkehr nach Deutschland zu erarbeiten. Irgendwie dann doch der Traum vom goldenen Westen, die alte Goldgräbermentalität geschürt durch den Kapitalismus. Natürlich hatte ich mich informiert und wusste, dass ich mit Santa Barbara Kalifornien, in einer der teuersten Regionen der USA leben und arbeiten werde. Ich bin also keinesfalls blauäugig gewesen, trotzdem habe ich die Lebenshaltungskosten extrem unterschätzt.

Gehalts-Check

Wie auch in Deutschland geht ein Teil des Gehalts an den Staat, hierbei empfehle ich definitiv den ersten „Paycheck“ genau zu prüfen. Als Intern (Beschäftigungsstatus für Inhaber eines J1 Visas), zahlt ihr zwar Steuern, aber keine Sozialabgaben, es sollten also nicht mehr als circa 8 % abgehen. Außerdem empfiehlt es sich, genau nachzuhaken wie der Bruttolohn berechnet wurde oder alternativ den tatsächlichen Stundenlohn zu erfragen. Warum? Es kann zum Beispiel sein, dass das Brutto-Jahresgehalt basierend auf einer 50-Stunden-Woche angegeben ist, man aber ab gewissen Positionen als „salery” eingestellt wird. Dies bedeutet, dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind, vergleichbar mit der deutschen Tarifgruppe 10. Was wiederum heißt, dass man, egal wie viele Stunden man tatsächlich arbeitet, am Ende immer, die auch in den USA festgelegte Wochenarbeitszeit von 40h, bezahlt bekommt, denn alles darüber hinaus sind Überstunden. So viel also zum Jahresgehalt basierend auf 50h. Nun weiß man also ungefähr, was man monatlich zur Verfügung hat. Trotzdem sei gesagt, dass die ersten Paychecks, die ich bekam, obwohl sie geringer ausfielen als erwartet, sich immer noch utopisch anfühlten und mir ein breites Grinsen auf mein Gesicht zauberten.

Lebenskosten

Kommen wir aber nun zum eigentlich Utopischen, nämlich den Lebenskosten hier. Zur Wohnungssituation habe ich ja auch schon etwas geschrieben, darum hier nur ganz kurz. Man bekommt, was man bezahlt. Ein WG-Zimmer im „shared housing” gibt es ab $600, allerdings ist das so ziemlich die unterste Preisgrenze und damit auch die unterste Grenze des Erträglichen. Nach einigen Nachforschungen mit meinen Mitarbeitern und Kollegen, sowie diversen Hilfsaktion bei Wohnungssuchen zeigten: Der Durchschnittspreis für ein angemessenes WG-Zimmer liegt bei circa $900-$1000. Den Luxus allein zu leben, gibt es in einem Studio ab circa $1500. ( https://www.no-matter-what.net/wohnungssuche-in-kalifornien-zwischen-utopischen-mieten-betrug-und-abzocke/ ) On top kommen die Nebenkosten: Strom, Wasser und Gas. Da diese in Kalifornien, im Vergleich zum Rest der USA, extrem hoch sind, ist es hier üblich, dass sie vom Mieter komplett oder teilweise selbst beglichen werden und nicht in der Miete enthalten sind. Diese belaufen sich monatlich auf circa $150. Das Internet ist dafür, soweit ich weiß, in jeder Mietunterkunft inklusive. Weiter geht es mit der Krankenversicherung, die in den USA privat bezahlt werden muss. Agenturen haben eine Krankenversicherung in ihrem Programm integriert und berechnen eine monatliche Gebühr von circa $250 bis $400, unterschiedlich von Agentur zu Agentur. Die Kalifornier, die ich kennengelernt habe, zahlten im Schnitt $400 für ihre Krankenversicherung. Nicht zu vergessen, der Handyvertrag, der mit circa $70 im Monat zu Buche schlägt. Außerdem wäscht man hier in Waschsalons, was wöchentlich ebenfalls $10 kostet. Die letzten, definitiven Fixkosten sind die, für Lebensmittel und Haushaltswaren, diese haben mich am meisten schockiert. Ein normaler Wocheneinkauf für eine Person kostet hier schnell $150, dabei versorgt man sich selbst und kocht zuhause. Folgt man dem „American Way of Life”, gönnt sich seinen Kaffee zweimal am Tag auf dem Weg, isst häufig „Togo”, „außer Haus” oder nutzt Lieferservices, ist man ganz schnell bei $200 – $250 pro Woche. Diese Kosten sind nur die Essenziellen pro Monat. Ich fasse also zusammen: $1400 (Miete) + $150 (Nebenkosten) + 250 (Basis-Krankenversicherung) + $70 (Handy) + $40 (Waschen) + $600 (Lebensmittel und Haushaltswaren) = $2510 monatliche Grundkosten zum selbstständigen Leben in Santa Barbara Kalifornien.

Fahrbarer Untersatz

Gerade wenn es darum geht unabhängig zu sein, in seiner Freizeit die Umgebung zu erkunden, selbst nur um zum Einkaufen oder zur Wäscherei zu fahren, ist es wirklich von Vorteil, ein Auto zu haben. Die Wege sind weit und man ist eingeschränkt, aber es geht auch ohne. Ich möchte nicht zu weit ausholen, denn ich habe wirklich sehr schlechte Erfahrungen beim Autokauf in Kalifornien gemacht. Ich habe zwei Wägen gekauft, immer im Hinterkopf, dass sie in den USA ja so viel günstiger sind. Das erste von einer Auktion für $2500, es wurde für weitere $600 in einer Werkstatt überprüft und mir danach versichert, dass es im Top-Zustand sei, „ein unglaublich guter Deal“. Ich war stolz wie Bolle auf meinen 2000er Lincoln Continental, V8, ein echter amerikanischer Straßenkreuzer, mein persönlicher „American Dream“. Das Vehikel starb drei Monate später auf dem Highway in LA, sprang nicht mehr an, wurde nach Long-Beach gebracht, dort einen Tag lang versucht wiederzubeleben und am Ende als Anzahlung für mein zweites Auto benutzt. Ein 2008 Toyota Corolla CE, die asiatischen Marken sind hier die Autos der Mittelklasse, da sie als absolut verlässlich gelten und sparsam sind. Das wusste ich vorher auch nicht, achtet man aber darauf, dominieren sie wirklich das Straßenbild. Leider vertraute ich auch hier wieder den Falschen und wurde ein zweites Mal über den Tisch gezogen. Der Toyota hatte weitere drei Monate später einen Getriebeschaden. Jetzt habe ich kein Auto mehr, sondern fahre Fahrrad, nutze Uber und miete ein Auto, wenn ich wirklich eines bauche. Ich kann nicht einmal Tipps zum Autokauf geben, ich kann nur sagen, was ich anders machen würde. Ich würde von vornherein meine Obergrenze für ein Auto auf $5000 setzen, dann würde ich mir durchrechnen lassen, was ein „Leasing“ kostet. Autohäuser hier bieten „short term lease“ extra für Interns (quasi Summe der Monatsraten VS Preisobergrenze zum Kauf). Kaufen würde ich lokal von einem Händler, immer im Hinterkopf, dass es lediglich darum geht mobil zu sein und das Auto am Ende wieder möglichst ohne größere Verluste verkaufen zu können. Außerdem würde ich, ohne zu zögern, in eine Händlergarantie investieren. Erwähnt sei hier, dass bei der Zulassung des Fahrzeugs noch einmal 10% des Kaufpreises sowie Gebühren für Zulassung, Steuern vorab und Nummernschilder fällig werden. Zu den bisherigen monatlichen Fixkosten kommen dann: Ca. $80 Autoversicherung und $100 Sprit (je nachdem wie das Auto genutzt wird natürlich).

Freizeit

Natürlich möchte man auch etwas erleben, wenn man Zeit im Ausland verbringt. Beim Zuhause sitzen, Nichtstun und Fernsehen lernt man die Kultur nicht kennen. Also geht man vor die Tür, trifft sich mit Freunden, erkundet die Umgebung mit dem Zug oder mit dem eigenen Auto. Was auch immer man macht, alles kostet Geld. Freunde von mir haben es hier einmal schön beschrieben. „Sobald du in Santa Barbara vor die Tür gehst, lässt du auf jeden Fall schon mal $50“. Freizeit kostet Geld, das ist überall dasselbe. Santa Barbara und Kalifornien im Allgemeinen ist ein Touristen- und Adventure-Mekka, man kann unglaublich viel machen, von simplen Wanderungen bis hin zu Schießständen, Buggy-, Katamaran- und Tauchtouren. Stand-Up-Paddeling, Kajaktouren, Surfkurse, Klettern und Campingtouren. Kalifornien ist Outdoor, Essen und Wein, hinzukommen die unzähligen Sportevents, die man genießen kann und auch wenigstens einmal genießen sollte! Preislich sind auch hier keine Grenzen gesetzt. Nur ein paar Beispiele: Surfstunde $85, Stand-Up-Paddelboards $25 pro Stunde, Klettertouren $120, halbtägige Angeltour auf dem Pazifik mit bis zu 5 Freunden $1175, Tauchkurse $800, verschiedenste Weintouren um $120. Hinzukommen die Sporttickets, die für die großen amerikanischen Highlights NFL, NHL, NBA und MLB um die $160 pro Person kosten. Die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio gibt es ab $60 aufwärts pro Monat. Man sieht also, es ist fast alles und noch viel mehr möglich. So ist es jedem selbst überlassen, welches Budget man sich im Monat für seine Freizeit setzt. Für die alltäglichen Dinge, also normale abendliche Treffen mit Freunden, kann man durch die überall sehr hohen Preise für Drinks und Snacks direkt $100 veranschlagen, sobald man zustimmt mit auszugehen. Die Lebenseinstellung und Art und Weise der Amerikaner, die Freizeit zu genießen, ist so ansteckend, dass man sich einfach mitreißen lässt. Für die Freizeit, sich ab und zu etwas gönnen und andere, nicht geplante Ausgaben, würde ich also weitere $500 im Monat veranschlagen.

Abschluss, Fazit, Tipps

Fassen wir also einmal grob zusammen: $2500 (Lebenshaltungskosten) + $180 (Auto) + $500 (Freizeit) = $3180 Ausgaben im Monat. Ich denke, langsam wird klar, warum in Kalifornien so ziemlich jeder mindestens zwei Jobs hat und so gut wie nie in längere Urlaube fährt. Kalifornien ist der teuerste Staat der USA. Es heißt nicht umsonst „man bezahlt für das Wetter gleich mit“. Wie ich anfangs erwähnte, sind die Gehälter an die Kosten angepasst, aber sie sind, so angepasst, dass sie die Kosten decken. Viel bleibt eben nicht übrig. Wie ich außerdem in einem anderen Artikel bereits schrieb, vermittelt eine Agentur keinen Job, von dem man nicht leben kann. Und auch hier gibt es Möglichkeiten Geld zu sparen und seine Ausgaben zu reduzieren. Wie in Deutschland liegt es an mir, ob ich meine Lebensmittel und Haushaltswaren bei Edeka und Rewe oder bei Lidl und Aldi kaufe. Das Zauberwort hier heißt Gorcery- oder 99-Cent-Store. Weiterhin sollte man das fast immer frei angebotene Mitarbeiteressen in der Gastronomie definitiv in Anspruch nehmen, dies reduziert nämlich den Wocheneinkauf. Auch an der Mietschraube kann man drehen, wenn man seine Ansprüche anpasst, manche Unternehmen bieten sogar eigene Wohnungen, sehr günstig an (leider äußerst selten). Mein Tipp: Man sollte versuchen eine Wohnung nahe der Arbeit zu finden, um nicht zwangsläufig auf ein Auto angewiesen zu sein. Falls nicht, rechnet vorher ob sich die Mietersparnis, gegenüber den Kosten für Versicherung, Sprit, Steuer und den täglichen Zeitaufwand für den Arbeitsweg lohnt, der kalifornische Verkehr ist nämlich die reinste Hölle. Freizeit ist wichtig und sollte definitiv genutzt werden, denn das ist die Zeit, in der die Erinnerungen geschaffen werden. Also muss man sie auch nutzen, genau das ist es, was ich aus meinen 18 Monaten hier mitnehmen werde. Allerdings muss man nicht alles mitmachen und immer dabei sein. Genauso ist aber eben die Freizeit auch das, wofür man arbeitet und woran man am wenigsten sparen sollte. Die Lebenskosten in Kalifornien, im „American Dream“, sind hoch, aber ich genieße von Zeit zu Zeit auch meine Freizeit und nage nicht am Hungertuch. Ich habe nur in meinem Leben noch nie so viel verdient und gleichzeitig so wenig gespart.

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