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Hong Kong in vier Tagen

Hong Kong Skyline bei Nacht - no-matter-what.net

Wir hatten also vier Tage in Hong Kong auf unserem Weg von Kalifornien zurück nach Deutschland geplant. Alles was ich von China kannte waren die Gäste, die ich in meinem Job immer wieder bediente, Filme und das, was man in den Medien halt so mitbekommt. Stichwort „Gäste“: In der Hotellerie gelten Chinesen nicht gerade als beliebt: unhöflich, laut, unmögliche Esskultur, spuken überall hin, trinken zu viel, vertragen nichts, und rauchen egal wo, ob gestattet oder nicht. Natürlich sind das Vorurteile und Verallgemeinerungen, die Ausnahmen und keinesfalls die Regel sind. Stichwort Nummer zwei die „Medien“: Als wir unsere Flüge buchten, war alles noch normal. Wir entschieden uns für vier Tage in Hong Kong, schlicht und ergreifend darum, weil es aus Kalifornien kommend in Japan im Februar für Backpacking zu kalt war, es in der Liste der möglichen Zwischenstopps nach Laos und Kambodscha noch am coolsten klang, weil ich wissen wollte wieviel an den anfangs genannten Vorurteilen wirklich dran ist und weil wir einfach unschlagbare Flugpreise von 480€ pro Person fanden. Wir ahnten noch nichts von Aufständen und dem Coronavirus, welche Hong Kong und China Ende 2019 bis hin zu unserer Reise im Februar 2020 heimsuchen sollten. Gleich vorne Weg, wir haben darüber nachgedacht unsere Pläne zu ändern, es aber nicht getan, und dies war die richtige Entscheidung. Die vier Tage in Hong Kong waren ein würdiger Auftakt für unser zwei monatige Backpackingtour in Südostasien.

Ankunft und Zeitumstellung

Als wir in Hong Kong ankamen, hatten wir über 15 Stunden Flug hinter uns. Nach einer weiteren Stunde, um den Flughafen zu verlassen, ein Uber zu rufen und zu finden, und dann noch einmal 45 Minuten Fahrt bis zum Hotel, hatten wir unser erstes Reiseziel endlich erreicht. Richtig gelesen, die Uber App funktioniert auch in Hong Kong und ist einfach klasse. Fixe Preise und kein Bargeld von Nöten, alles was man braucht ist die Adresse wo man hinmöchte, alles läuft digital, Sprachbarrieren sind somit ausgeschlossen. Man gibt das Ziel ein, steigt ein, der Fahrer weiß bereits wohin es gehen soll und bezahlt wird via App. Super, wer braucht da noch Taxis? 15 Stunden Flug von San Francisco und eine Zeitumstellung von ebenfalls 16 Stunden nach vorn (von Deutschland aus sind es 7 Stunden nach vorn), forderten am Ersten von vier Tagen in Hong Kong seinen Tribut. So blieben wir erst einmal in unserem Zimmer im Pentahotel in Tuen Mun, einem Vorort von Hong Kong. Den ganzen Tag habe ich es dann aber doch nicht im Hotel ausgehalten, also begab ich mich auf eine Mission. Etwas Essbares to Go für mich und meine Frau sowie ein paar Flaschen Wasser zu finden und zurück zum Hotel zu kommen. Meine ersten Eindrücke waren geprägt von einer Reizüberflutung. Tuen Mun ist eine Industrievorstadt und Arbeiterwohngegend von Hong Kong, nicht schmutzig, aber grau, laut und irgendwie karg. Obwohl gespickt mit Grünanlagen, erscheint es farblos aber normal, nicht schön und doch beindruckend für meine Augen. Aus den USA kommend war es absolut surreal, wir waren zwar fast in Hong Kong, aber ich konnte den Sozialismus förmlich riechen. Um den Kulturschock zu krönen, traf ich einmal mehr auf eine krasse Sprachbarriere. Etwas, dass ich in Hong Kong wissend, dass die Stadt 155 Jahre zur britischen Krone gehörte, absolut nicht erwartet hatte. Glücklicherweise gibt es ja aber immer Wege sich irgendwie zu verständigen. Angemerkt sei hier, dass die Chinesen beim Thema Verständigung ziemlich schnell aufgeben und einen einfach stehen, bzw. sitzen lassen.

Hong Kong S-Bahn

Die S-Bahn ist auf jeden Fall eine sehr gute und durchaus relativ günstige Art sich in Hong Kong fortzubewegen. Das Netz ist sehr gut ausgebaut und einfach zu verstehen. (Netz) Wer deutsche Großstädte gewohnt ist, hat keine Probleme. Bezahlt wird am Schalter, ausschließlich in bar bzw. am Automaten bar oder mit Kreditkarte. Eine Tageskarte lohnt sich, wenn man viel hin und her sowie mehrere kürzere Strecken fährt. Ansonsten kommt man mit Einzelfahrten günstiger. Wenn man zwei oder drei Tage Zeit hat, würde ich immer Einzelfahrten empfehlen. Da man Hong Kong super tageweise in Bereiche einteilen kann und dann quasi nur hin- und zurückfährt. Eine andere coole Website und ein paar Tage Hong Kong easy zu planen, findet ihr hier.

Tag 2, Hong Kong Island

Es ging also nach Hong Kong Island, in 35 Minuten erreichten wir Hong Kong Central. Als wir die Untergrundstation verließen, standen wir wie erwartet in mitten einer pulsierenden Großstadt. Auf Grund des Corona-Virus zwar nicht ganz so pulsierend wie erwartet, jedoch in Sachen Lärm, Verkehr, Häuserschluchten, Gewusel und Shoppingmöglichkeiten, genau wie man es von Großstädten gewohnt ist. Dieser Eindruck ändert sich rasant, wenn man unweit der Station auf die längste Rolltreppe der Welt steigt, einfach cool! Innerhalb kürzester Zeit wechselt das Städtebild und man befindet sich in einem, in den Berg gemeißelten Schmelztiegel aus alt und neu. Der beste Punkt um den „Escalator“ zu verlassen ist die Hollywood Road, hier bekommt man einen tollen Eindruck was Hong Kong eigentlich ist und war. Da die Läden und vielen Bars aber erst später am Nachmittag öffnen, entschieden wir uns zunächst das Städtebild auf uns wirken zu lassen und zur Peak Tram zu laufen. Diese bringt einen sogar relativ preisgünstig zum Must Do in Hong Kong, The Peak. Für umgerechnet ca. 12€ pro Person gibt es hier eine spannende Bahnfahrt und oben angekommen den besten Blick auf Hong Kong. Leider hatten wir etwas Pech mit dem Wetter, dafür aber Glück mit der Zahl anderer Besucher, denn Freunde warnten uns vor einem unglaublichen Massenandrang. Vom Fuß des Berges ging es zurück zur Hollywood Road. Immer wieder drifteten wir ab in Läden und Boutiquen oder hielten inne, um eine der vielen coolen Bars und Restaurants oder die Stadt selbst zu bewundern. Hong Kong ist für uns Europäer ein Fotomekka in jeder in Hinsicht. Wir besuchten den Man Mo Temple, beteten für unsere Wünsche und ließen uns dann weiter durch die Stadt zum Victoria Harbor treiben. Ein kleiner Tipp: Unsere Suche nach einer Stärkung gestaltete sich als etwas schwierig. Da wir gern dort essen, wo auch die Locals sind, versuchten wir es auch in Hong Kong. Allerdings verstand uns niemand, so bekamen wir statt erwarteter Dim Sum eine Auswahl an süßen Hefeklösen. Richtig gute Dim Sum gab es dann aber doch noch auf unserem Rückweg in der Bahn Station Hong Kong Central (timhowan.com).

Tag2 Hong Kong Central - no-matter-what.net
Tag2 Harbor View - no-matter-what.net
Tag2 Man Mo 2 - no-matter-what.net

Tag 3, 10.000 Buddhas und Kowloon

Der Dritte von vier Tagen in Hong Kong begann natürlich wieder an unserer Bahnstation, diesmal jedoch ging es zur Sha Tin Station und dann zu Fuß zu den Ten Thousand Buddhas. Der Aufstieg ist recht anstrengend, aber machbar. Von den im Reiseführer gewarnten „Fake-Mönchen“ haben wir keinen gesehen, allerdings lag das sicher wieder einmal an der Reisezeit. Der Tempel am Ende der mit verschiedenen Buddhas besetzten Treppe, entlohnt noch einmal für die Anstrengung. Ein weiterer toller Blick von einem Zeugnis der chinesischen Kultur. Wer Glück hat kann nebenbei noch eine paar Affen beobachten, aber vorsichtig, wir wurden vor ihren Diebeskünsten gewarnt J. Unser nächster Halt führte uns wieder näher an das Zentrum der Stadt. Der Nan Lian Garten ist eine von vielen grünen Oasen in der Metropole, allerdings einschlägig bekannt als die Schönste. Ohne einen Vergleich muss ich hier sagen, Yes, es war die richtige Entscheidung ihn zu besuchen. Eingebettet in Wolkenkratzern und Beton, spürt man regelrecht die Ruhe, die einen durchströmt sobald man dieses botanische Meisterwerk betritt. Als Zugabe befindet sich gleich angrenzend das Chi Lin Nonnenkloster. Ein eigentlich sehr junges Kloster (1934 gegründet, 1998 wieder aufgebaut), aber auch hier wieder ein Bauwerk, das so gar nicht und irgendwie dann doch perfekt in die sozialistische Megastadt passt. Nach einem kurzen Lunch in der benachbarten Mall, fuhren wir abermals mit dem Zug weiter zum Stadtteil Kowloon. Unser eigentliches Ziel war der Temple Street Night Market. Da wir etwas zu früh waren, schlenderten wir zuerst entlang der Nathan Road und durch die umliegenden breiteren Gassen zum Ladies Market. Ehrlich gesagt war der Weg dorthin spannender als der Markt selbst, wer nicht gerade auf der Suche nach billigen Kitsch-Souvenirs oder nachgemachten Taschen und Accessoires ist, ist in den normalen Geschäften und Centern des Shoppingparadies Hongkong besser beraten. Mehr los, und vor allem mehr Hong Kong findet man da wie versprochen auf dem Temple Street Night Market. Leider war dieser durch die Corona-Krise sehr ähnlich zum Ladies Market, da die live zubereitenden Garküchen nicht aufgebaut waren und nur wenige der anliegenden Restaurants überhaupt am Nachtleben teilnahmen. Da hat uns der Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht. Durch unsere Recherche können wir den Markt dann aber trotzdem ruhigen Gewissens empfehlen, darum auch der Link, der denke ich ganz gut zeigt wie es eigentlich ist J. Wer es übrigens richtig timet, der kann, bevor er auf den Markt geht, noch den Tin Hau Temple Complex, Yau Ma Tei, den Namensgeber für den Markt besichtigen. Der Markt öffnet logischer Wiese erst um 18:00 Uhr, wenn der Temple geschlossen ist um die Geister nicht zu verärgern. Zum Abschluss folgten wir der Nathan Road auf der Suche nach einer Skybar mit Blick auf Hong Kong Island, denn hier gibt es jeden Abend um 20:00 Uhr eine ca. zehnminütige Lichtershow an der Promenade, die man von der Kowloon-Seite der Stadt perfekt bewundern kann. Unsere Skybar wurde dann die Eyebar, im 30. Stock des iSquare Shopping Centers. Gute Cocktails, teure gehobene Küche und ein atemberaubender Blick über das nächtliche Hong Kong. Wir haben zwar nichts gegessen, aber es war der perfekte Abschluss des Tages.

Tag 4, Tian Tan Buddha

Tag Nummer 4 in Hong Kong begann logischer Weise im Hotel, da wir am nächsten Morgen früh flogen, bereiteten wir soweit schon alles vor. Etwas Sightseeing hatten wir dennoch auf dem Plan. Nach Lantau Island sollte es gehen. Denn dort gibt es den Tian Tan Buddha, mit 34 Metern Höhe und 250 Tonnen eine der fünf größten Buddhas in China. Wir hatten uns nur etwas mit der Zeit verplant. Die Anreise ist mit der Bahn zwar wirklich einfach, dauerte aber eben doch 80 Minuten. So kam es, dass es uns nicht mehr möglich war die obligatorische Fahrt mit der Seilbahn Ngong Ping 360 von der Endstation der S-Bahn zum Buddha zu machen, da diese nur von 10:00 – 16:00 Uhr fährt. Wir waren also spät dran, wollten den Buddha aber unbedingt noch sehen. Meine Frau entschied dann kurzerhand einen Einheimischen zu bitten uns ein Taxi zu besorgen. Wichtig zu beachten ist hierbei, es gibt blaue und rote Taxen, die Roten sind „City-Taxen“ und daher teurer, wenn es über die Insel geht. Unsere 40 Minuten Taxifahrt kostete ca. 20 Dollar, verglichen mit den 30 Dollar für die Seilbahn also doch völlig im Rahmen. Der Buddha selbst ist ein weiteres Must See! Ein monumentales Bauwerk, das auf der Insel thront. Eigentlich ist es ein Klotz mitten in einer bezaubernden Landschaft. Aber durch den im Buddhismus so wichtigen Einklang mit allen Dingen und der Natur, erscheint es eher als eine Huldigung statt als ein Klotz. Gern hätten wir mehr Zeit im Bereich des Po Lin Klosters verbracht und uns alles angesehen um nicht nur vom Big Buddha beeindruckt zu werden. Zurück ging es dann mit dem Bus für gerade einmal 6,50 Dollar für zwei Personen.

Tag4 Big Buddha1 - no-matter-what.net
Tag4 Big Buddha Eingang - no-matter-what.net
Tag4 Big Buddha3 - no-matter-what.net

Fazit: Hong Kong in 4 Tagen

Wenn man mich fragen würde ob vier Tage in Hong Kong reichen, wäre ich nicht sicher was ich antworten sollte. Ich denke, sie reichen um definitiv für die Stadt begeistert zu werden. Nicht aber um wirklich einzutauchen. Nirgends auf der Welt habe ich bisher eine Stadt gesehen die so verschieden und in sich widersprüchlich erscheint, irgendwie aber dann doch völlig klar und logisch auf einen wirkt, sobald man sie wieder verlässt. Es ist eine Stadt, in deren Vororten und außerhalb des Zentrums, einem der Sozialismus förmlich ins Gesicht springt, sowohl architektonisch, als auch im allgemeinen Städtebild. Völlig konträr dazu stehen die Einkaufszentren und übermäßige Konsumgesellschaft in der Innenstadt. Man findet kubische Betonbauten, Wolkenkratzer, Autobahnen, Schnellstraßen und futuristisch anmutende Gebilde aus Glas und Stahl genauso wie wunderschöne Parks, alte, perfekt erhaltene Tempel und beeindruckende Zeugnisse der Geschichte und Kultur. All das in einer Stadt, die sich organisch an einen Berg schmiegt und dadurch bereits jetzt auf verschiedenen Ebenen funktioniert. Sucht man ein bestimmtes Geschäft oder Restaurant kann es passieren, dass man vorbeiläuft oder es erst gar nicht findet, weil man nicht gewöhnt ist bis in den 5, 8 oder vielleicht sogar 10 Stock zu suchen. Ich habe mich in Hong Kong gefühlt, als wäre ich 150 Jahre in die Zukunft gereist. Nicht, dass es Dinge gab, die ich nicht kannte, die Stadt kam mir vor als würde sie soweit in der Zukunft liegen, dass sie schon wieder langsam verrottet und die Natur beginnt, sie sich Stück für Stück zurückzuholen. Ein ganz besonderer Charme, den man sehen muss um ihn zu verstehen und zu lieben.

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