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Ein verlängertes Wochenende zur Weihnachtszeit in Budapest

Als meine Frau mal wieder einfach so und auf gut Glück online nach Flügen schaute, stach ihr ein Angebot für Budapest ins Auge: 69€ pro Person, Freitagmorgen hin und Sonntagabend zurück. Ein Wochenendtrip in eine der europäischen Hauptstädte zum Preis „Berlin-München“, keine Fragen, einfach buchen, wer spontan ist, wird eben belohnt. Mich persönlich reizt der Osten Europas, seit ich zu unserer Abi-Fahrt überstimmt wurde und wir mit dem Deutsch-Leistungskurs statt nach Spanien zu fliegen, mit dem Bus ins historisch interessantere Krakau, nach Polen gefahren sind. Am Ende war es nicht nur preislich die bessere Entscheidung, denn dies sei gesagt, Krakau ist eine unglaublich schöne Stadt und immer eine Reise wert. Nur leider habe ich das mit 18 noch nicht so erkannt. Es soll hier allerdings um Budapest gehen und nicht um Krakau.

Einige historische Fakten zum Nachschlagen

Budapest stand also auf dem Zettel, da ich geschichtlich recht interessiert bin und wir nur zweieinhalb Tage hatten, gehörte zu den sehr simplen Vorbereitungen das Auffrischen meines Wissens über Budapest. Eine kleine Randnotiz, geografisch bin ich eine Null, historisch dagegen ganz gut. Ich kramte also in meinem Gedächtnis und erinnerte mich an „Buda und Pest“, „Österreich-Ungarn“, „die Habsburger“, „Franz Joseph I.“, „das Bündnis mit Deutschland zu Beginn des Zweiten Weltkrieges“, „die erschreckende Zahl von 600.000 getöteten, ungarischen Juden während des Holocaust“, „ der Volksaufstand gegen die Sowjetunion“, natürlich „die Grenzöffnung gegenüber der DDR im September 1989“, zwei Monate vor dem Mauerfall und die „Ausrufung der Republik Ungarn“, Ende Oktober 1989, welche eine wichtige Rolle für den Zerfall des Ostblocks spielte. Die ungarische Geschichte, mit Budapest (ab 1873 vorher, Pest-östlich der Donau und Buda-westlich der Donau) im Zentrum ist seit der „Habsburger-Monarchie“ eng mit der österreichischen- und auch deutschen Geschichte verbunden. Genau das sieht man dem Städtebild von Budapest an. Nicht umsonst werden von Besuchern immer wieder Vergleiche zu Wien gezogen.

Durch das Grau in die Geschichte

Genug Geschichte, die mir in den Kopf sprang. Wir landeten also am Freitagvormittag in Budapest und nahmen die S-Bahn ins Zentrum zu unserem Hotel. Es war Dezember und daher auch nicht wärmer als in Deutschland, leider gab es keinen Schnee, der die graue Wirklichkeit der Ostblock-Außenbezirke Budapests etwas hätte beschönigen können. Sind wir allerdings ehrlich, so fällt uns wohl keine größere Stadt ein, die bezaubernde Vororte hat. Meine Frau erinnerte mich bereits in der Bahn daran, dass wir zwar im Ausland sind, allerdings die Ungarn, gerade die Älteren, Deutsch sehr gut verstehen. Immerhin gab es durch die Zeit der habsburgischen Herrschaft (ca. Anfang 17. Jh. – Ende 18. Jh.) einen starken Einfluss der deutschen Sprache, zeitweise war Deutsch sogar Amtssprache. Aus unserer Erfahrung verstehen auch die jüngeren Ungarn Deutsch relativ gut und sprechen weiterhin sehr gutes Englisch, was die Kommunikation sehr einfach machte. Nach ungefähr 40 min erreichten wir das Zentrum und 10 min weiter zu Fuß dann unser Hotel. Im Zentrum der Stadt erinnerte alles an die große Historie und absolut nichts mehr an die gerade passierten Vororte. Mittlerweile war es Mittag und Zeit der Kälte in einem der unzähligen Kaffeehäuser zu entfliehen. Hier schmiedeten wir den Plan, den Rest des Tages zu nutzen, um Pest also die östliche Donauseite zu erkunden, und am nächsten Tag dann durch Buda, auf der westlichen Seite zu spazieren.

Östlich der Donau

„Pest“ ist die flachere Seite von Budapest, wie bereits erwähnt, erinnerte mich der Baustil hier stark an Wien. Ein weiterer schöner Nebeneffekt war, dass die Stadt in die Weihnachtszeit getaucht war, es gab also sogar einen Weihnachtsmarkt mit Glühwein und Leckereien im Zentrum. Unser erstes Ziel war der Heldenplatz. Vorbei an der „Staatsoper“ und dem „Haus des Terrors“ ging es zu einem der bekanntesten Wahrzeichen von Budapest. Im angrenzendem City Park kann man wunderbar spazieren und dem Trubel der Großstadt für ein paar Minuten entfliehen. Während unseres Besuches war im Park eine Eislaufbahn aufgebaut, leider hatten wir keine Zeit uns diesen Spaß zu gönnen. Außerdem merkte gerade ich so langsam, dass ich wieder einmal die Kälte unterschätzt hatte, die mir langsam in die Knochen kroch. Ein kleiner Bummel durch den Park war aber ein Muss und absolut lohnenswert. So haben wir noch „Burg Vajdahunyad“ und den „Botanisch-Zoologischen-Garten“ (eine tolle Attraktion für Kinder) bewundert. Unser Weg führte uns dann durch die Stadt zurück an die Donau. Wir stoppten an der schönen St. Stephans Basilika, hielten kurz inne an den „Schuhen am Donau Ufer“, einem Mahnmal der Judenverfolgung in Ungarn und befanden uns dann vor dem imposanten Parlamentsgebäude. Nach einer Kehrtwendung folgten wir dem Donau-Ufer in Richtung der zwei berühmtesten Brücken der Stadt. Zuerst passierten wir die Kettenbrücke, von der man übrigens einen guten „shoot“ vom Parlamentsgebäude machen kann, nachfolgend die „Elisabeth Bridge“, welche genauso eindrucksvoll ist. Unsere dritte Brücke an diesem Tag war „Szabadság hid“, die zwar nicht als Sehenswürdigkeit gilt, ich aber trotzdem erwähnen möchte, da die Brückenauffahrt, die ist, die Bruce Willis in „Stirb langsam 5“ mit dem Mercedes Jeep passiert. (Eigentlich spielt die Verfolgungsjagd in Moskau, aber Budapest ist eine der Städte, die oftmals als Double anderer Städte genutzt wird. Einfach mal googeln, welche Filme hier alles geshootet worden). Fortsetzten wir unseren City-Walk dann in der „Markthalle“, ein riesiger Markt mit allen möglichen Köstlichkeiten, ein wunderbarer Spaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Mittlerweile knurrte unser Magen wieder, also entschieden wir auf Internetrezensionen zu vertrauen und doch schon mal eine Brücke zu überqueren, um in „Buda“ zu Abend zu essen. Ich möchte nicht übertreiben, aber mir wird jetzt noch kalt, wenn ich an die todes-eisigen Winde denke, die uns auf der Brücke um die Ohren pfiffen. Na ja, wahrscheinlich waren wir einfach nicht richtig anzogen. Die Entscheidung war im Übrigen falsch, wir marschierten knapp zwei Stunden auf der Suche nach einem guten Restaurant, um am Ende, schlecht gelaunt zu entscheiden, mit dem Bus zurückzufahren. Wer gut essen möchte, ohne viel zu suchen, sollte einfach auf der Pest-Seite in eines der unzähligen traditionellen Restaurants der Innenstadt gehen. Das schöne an Budapest ist, dass obwohl es eine sehr westliche Metropole ist, die Preise für Essen und Getränke für unseren westeuropäischen Standard, wirklich erschwinglich sind. Hier möchte ich gerade als Hotelier sagen, dass uns, also sowohl mich als auch meine Frau als Eventmanagerin, Budapests Restaurant und Barszene im Bezug auf Qualität und Preis sehr beeindruckt hat. Nach dem Essen gab es noch einen fixen Absacker in einer asiatisch angehauchten Bar namens „Tuk Tuk Bar“ mit mega Ambiente und Cocktails, auf jeden Fall reinschauen! Dann ging es zurück ins Hotel, am nächsten Tag stand ja nicht weniger Programm auf dem Plan.

Westlich der Donau

Am Tag zwei ging es dann wie geplant nach Buda. Um dorthin zu gelangen, mussten wir natürlich wieder eine der Brücken, wir entschieden uns für die Elizabeth Bridge, überqueren. Die Brücken sind definitiv ein Highlight, daher darf man bei aller Eile aus der Kälte zu kommen, keinesfalls vergessen, sich umzuschauen und ein tolles Foto von der Altstadt zu machen. Auf der anderen Seite angekommen, folgten wir dem Ufer zum bekannten Géllertbad, welches aber nicht unser erstes Ziel war. Wir waren auf dem Weg zur Spitze des Géllertbergs mit dem Wahrzeichen Budapests, der Zitadelle und der Freiheitsstatue. Als wir den Berg erklommen hatte, wurden wir nicht nur mit dem eindrucksvollen Wahrzeichen, sondern auch dem für mich schönsten Blick über Budapest belohnt. Wir verließen den Géllertberg noch völlig überwältigt in Richtung Norden, um den Pfaden der Stadt, zum „Burgberg“ zu folgen. Auch hier wieder, auf der Spitze des Berges ein atemberaubender Anblick mit dem mittelalterlichen Burgpalast, der heute Nationalgalerie, Nationalbibliothek und das historische Museum beherbergt. Außerdem hat im klassizistischen Gebäude der Staatspräsident seinen Sitz. Das nächste Glanzstück auf unserem Zettel lag wiederum nördlich. Um dorthin zu gelangen, wanderten wir durch eine Art Dorf in der Stadt, was ebenso klassisch für eine mittelalterliche Burganlage war, so wurden Diener und Gefolgschaft oftmals innerhalb der Burgmauern untergebracht. Nach einer knappen Stunde standen wir vor der Mathias Kirche und der eleganten, bezaubernd an der Donau gelegene Fischerbastei. Immer noch falsch angezogen und daher durchgefroren, aber überwältigt vom seit 1987 UNESCO-Weltkulturerbe (Burgviertel und Donaupanorama), wurde es für uns Zeit, den Rückweg über die Kettenbrücke anzutreten. Denn wir wollten noch etwas den Weihnachtsmarkt im Zentrum sowie die vielen Vintage-Läden erkunden. Außerdem mussten wir uns auch noch etwas aufhübschen, da wir am Vorabend eine Reservierung in einem der „In-Restaurants“ im Stadtzentrum machten.

„Vintage“ und die Heilbäder

Das Wort „Vintage“, wird wohl das Wort bleiben, welches ich am meisten mit Budapest verbinden werde. Nirgends habe ich bisher mehr Secondhand- and „Vintage-remodeled-Läden“ aneinandergereiht gesehen, als in Budapest. Es war natürlich eine unglaubliche Gaudi mit meiner Frau die einzelnen Läden zu erkunden und einfach einmal die Klamotten anzuprobieren oder auch zu überlegen, ob das Zeug wirklich jemals jemand getragen hat. Auch die komplette Bar-Szene hatte fast immer, wenigstens ein Vintage-Element dabei. Und trotzdem war jede Bar, jedes Restaurant und jeder Laden doch immer individuell, mit seinem eigenen Charme und ganz viel Liebe zum Detail gestaltet. Vielleicht ist es mir auch nur so extrem aufgefallen, weil es alles so komprimiert war. Anders als in Berlin hat Budapest nämlich nur ein Stadt-, oder vielleicht besser, Nightlife-Zentrum, der Bereich „Gozsdu“. Dies ist die Bar und Party Hauptschlagader der Stadt. Will man ausgehen, sollte man hier hingehen. Sicherlich findet man, selbst wenn man eine ganz Woche in der ungarischen Hauptstadt ist, hier jeden Abend einen neuen coolen Spot. Hier hatten wir auch unsere Dinner-Reservierung gebucht. Der „Vintage Garden“ ist an dieser Stelle definitiv eine Empfehlung, allerdings sollte man wirklich reservieren, wir hatten Glück, dass am nächsten Tag noch etwas frei war, als wir eigentlich am ersten Abend spontan dort essen wollten. Das Essen war super, der Service top und die Preisklasse etwas gehoben, aber noch im Rahmen, ein Punkt mehr für Budapest. Danach ging es noch etwas weiter im Nachtleben, wir entdeckten einen Komplex mit verschieden Bars auf verschiedenen Ebenen, der etwas an das Tacheles (Oranienburger Straße) in Berlin erinnerte. Zum Abschluss stießen wir auf einen etwas versteckten, permanenten Street Food Market den „Street Food Caravan Budapest“, wo es noch einen Mitternachts-Snack gab. Irgendwann ist auch einer der coolsten Tage und damit leider auch schon fast eine komplette Städtereise vorbei. Wir mussten zurück ins Hotel, man wird ja nicht jünger und muss auch schlafen. Um die Zeit bis Sonntagabend, denn dann ging unser Flieger, zu überbrücken hatten wir uns das aufgehoben, was uns jeder vorab als Highlight einer Budapest-Reise empfohlen hatte, den Besuch eines der vielen Badehäuser. Wir entschieden uns nach diversen Empfehlungen von Einheimischen für das „Széchenyi-Heilbad“, eine wirklich sehr schöne Anlage. Nur leider auch sehr, sehr voll. Plant man von vornherein einen Besuch eines der Badehäuser, sollte man keines Falls seine Badelatschen vergessen. Nicht, dass es schmutzig war, ich habe mich einfach wohler gefühlt damit, bzw. damit das ich sie meiner Frau geben konnte, da sie ihre vergessen hatte. Hier sei gesagt, ich habe auch keinen Fußpilz bekommen, obwohl ich keine Schlappen trug. Ich bin einfach nicht der Schwimmbadtyp, allerdings ist es meine Frau und ihr war es auch zu viel. Im Nachhinein würde ich sagen, es war eine wirklich schöne Anlage, die sicher ganz toll für Menschen ist, die regelmäßig in Heilbäder gehen und sich nicht von Menschenmassen gestört fühlen. Ich allerdings hatte die 6000 Forint (18€) pro Person lieber in einem der wunderschönen Kaffeehäuser ausgegeben und dort bei „Wiener Flair“ auf unseren Flieger gewartet.

Budapest und der Osten, immer eine Reise wert

Was ich damals schon feststellte, bestätigte sich auch bei meiner leider erst zweiten Reise in den Osten. Die Menschen und die Kultur in Osteuropa hat mir eine ganz eigene Wärme und Gastlichkeit offenbart, sobald man auch nur etwas an der Fassade kratzt und sich selbst nicht verstellt. Meine Frau hat es erst vor kurzem auf den Punkt gebracht: „Die Menschen in Osteuropa erscheinen zwar rau und harsch, doch das ist nur ein Schutz. Sie sind harte Arbeiter, sehr familiär, stehen zu ihrem Wort und hat man ihr Vertrauen gewonnen, sind sie absolut loyal. Außerdem sind sie sehr stolz und dadurch unglaublich gute Gastgeber.“ Wie ich ab und zu schon erwähnte, bin ich historisch recht interessiert. Daher weiß ich, dass man diese Aussage sehr einfach auf Grundlage der Geschichte belegen kann. Ich kann aber auch einfach aus Erfahrungswerten zustimmen. Das tue ich hiermit. Umso trauriger ist es, dass die osteuropäischen Reisedestinationen allgemein immer noch nicht die Popularität erlangt haben, die ihnen zusteht (wobei Budapest schon zu den 20 am häufigsten besuchten Städten Europas gehört) und weiterhin mit Vorurteilen kämpfen. Allerdings sind genau aus diesem Grund Städte wie Budapest immer noch extrem erschwinglich für uns Europäer. Der Beiname „Die Perle an der Donau“ umschreibt die recht unerwartete Schönheit dieser osteuropäischen Hauptstadt wirklich gut. Budapest ist absolut eine Reise wert.

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