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USA Westküste – Roadtrip (Teil 2)
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Die Westküste der USA – Roadtrip (Teil 1)

Seattle Skyline Westküste-USA-Roadtrip-Teil-1

Was gibt es Besseres als ein „Roadtrip“ um die USA zu erkunden? In meinen Augen nichts. Mittlerweile ist es für mich die Beste, oder besser, die einzig wahre Art, um die USA zu entdecken. Vielleicht ist das aber auch etwas, was von den “Amis” auf mich abgefärbt hat. Ich habe das Gefühl, sie lieben es Zeit im Auto zu verbringen. Immerhin ist ein 2h Trip von Santa Barbara nach LA hier so etwas wie “Klar, komme ich mal schnell vorbei, ist ja nicht weit” -Trip in Deutschland. Es war Anfang März, meine Frau war endlich wieder bei mir und unsere Route stand fest: Seattle, Vancouver und dann immer gen Süden, zurück nach Santa Barbara. 16 Tage, 2000 mi, 45 Stunden reine Fahrzeit und einige der schönsten Kulissen, die ich bis dato gesehen hatte, lagen vor uns, die Westküste der USA.

Seattle – The Rainy City

Nach Seattle, dem Ausgangspunkt unserer Reise, ging es noch mit dem Flugzeug, beide Strecken mit dem Auto waren einfach nicht drin. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich schon 8 Monate in Santa Barbara, Kalifornien und war daher bereits vom hervorragenden Klima mit durchschnittlich 24 Grad und Sonne verwöhnt. Die 5 Grad in der “Emerald City” trafen mich daher umso härter. Vom Flughafen ging es ganz einfach mit der Bahn ins Zentrum zu unserem Hotel und dann natürlich direkt auf einem kleinen Spaziergang, um erste Eindrücke von der Stadt zu bekommen. Außer einem wirklich guten und günstigem vietnamesischen Nudelrestaurant im urbanen Stil (“Pho Bac” https://www.thephobac.com/ ), gab es am Abend nicht viel zu sehen. Da wir nur einen Tag in Seattle hatten, hieß es zeitig aufstehen, Frühstücken und auf zur ersten “Free-Walking-Tour” meines Lebens. Zum Glück ist meine Frau so reisererfahren und weiß, was Sinn macht, wenn man wenig Zeit hat. Free-Walking-Touren werden fast überall angeboten. Man registriert sich online, taucht am vereinbarten Treffpunkt auf, bekommt eine Stadtführung mit Tipps von einem Insider und bezahlt am Ende, was es einem wert war. Es ist interessant, kurzweilig und ein super Konzept, finde ich. Wir besuchten natürlich den “Pike Place Market” auf dem die “FISH-Philosophie” (https://www.youtube.com/watch?v=HKBS6qa6DeA) basiert, beobachteten eben diese Fachverkäufer und bummelten später noch weiter durch die unzähligen Stände und Angebote. Dieser Markt ist ein Riesenspaß und ein Muss, wenn man in Seattle ist. Vorbei am “Seattle Art Museum” und seinem sehr kontrovers diskutiertem “Working Man”, ging es zum “Pioneer Square”, mit dem gestohlenen Marterpfahl und einem Blick auf den Smith Tower. Ende der Tour war wieder der Hafen mit einem atemberaubenden Blick auf die Elliott Bay vor uns und im Rücken die ebenso eindrucksvolle Skyline der Stadt. Nach einem kurzen Abstecher zur “Gum-Wall”, erkundeten wir weiter das geschäftige Treiben, der mit ungewohnt viel Grün gespickten Metropole. Unser Tag endete an einem der bekanntesten Fotopunkte der Stadt, im Kerry Park, mit einem Panorama, das schon unzählige Male fotografisch festgehalten wurde. Seattle ist tatsächlich neben Las Vegas erst die zweite Stadt der USA, die ich sehr gerne ein weiteres Mal besuchen würde. Wir mussten uns durch die begrenzte Zeit sehr einschränken. Es ist einfach eine Stadt, die unglaublich vielseitig, sauber und organisch ist. Sie hat einen ganz eigenen Fluss, der einen förmlich in dann Bann zieht.

Noch ein paar Weisheiten der Free-Walking-Tour

“Das „Space Needle“ ist als Wahrzeichen von außen eindrucksvoll, das Hochfahren ist überteuert und unnötig. Für tolle Fotos gibt es unzählige kostenlose Aussichtspunkte.”

“Seattle ist auf Platz vier der US-Städte, mit den meisten Coffee Shops, hinter Berkeley, Vancouver in Washington und San Francisco, obwohl Starbucks in Seattle gegründet wurde.”

“Seattle hat so wenig Sonne, dass die Menschen ihren Biorhythmus austricksen müssen und darum auf Kaffee leben.“

“Zahle niemals den vollen Preis in Seattle, es gibt immer irgendwo eine Happy Hour!”

Seattle free walking Westküste-USA-Roadtrip-Teil-1
Seattle Miners Landing Westküste-USA-Roadtrip-Teil-1

Olympic National Park

Unser zweiter Stopp war der Olympic National Park. Der Park ist berühmt für seine mystischen und unberührten Märchenwälder. Ich hatte von vornherein zwei Nächte geplant, weil ich mich darauf freute, einen ganzen Tag durch die atemberaubende Natur zu streifen. Dazu passend buchten wir unsere Unterkunft, eine “Cabin” im Regenwald, wie sich herausstellen sollte, die ausgefallenste und abgefahrenste Unterkunft unserer ganzen Reise. Es war März, wir waren uns bewusst, dass es kalt sein würde, aber irgendwie dachte keiner so recht an Schnee. Nun, das war ein Fehler, denn dieser wurde immer mehr, je weiter wir nach Norden fuhren und uns unserem Ziel näherten. Nicht nur, dass wir zweimal an der Einfahrt vorbeifuhren, da diese durch die bis zu 1 m hohen Schneewehen in der Dunkelheit fast völlig unkenntlich war, wir mussten unser Auto auch direkt in der Einfahrt stehenlassen, da der Pfad nicht befahrbar war. Rein ging es nun in den stockfinsteren Wald, auf der Suche nach unserer Hütte. Kein Licht außer unserer Handys, überall Schnee, knackende Äste und das Gefühl, dass uns jeden Moment etwas aus der Dunkelheit anspringen könnte. Ja unsere Ankunft hätte auch gut der Start eines schlechten Horrorfilms sein können. Wir fanden unsere Hütte schlussendlich und wussten nicht, ob wir glücklich sein oder weinen sollten. Acht Quadratmeter, ein selbstgebautes Hochbett, Wasser aus der Galone, ein Heizlüfter für die Steckdose, Kochen auf einer Platte mit maximal 80 Grad, keinerlei Handyempfang und “die Toilette in einem Dreieck”. Als wir das Dreieck fanden, dachten wir: “Nein, das kann sie nicht sein!”. Doch, das war die Toilette. Ehrlich gesagt, am nächsten Morgen sah die Welt wortwörtlich anders aus. Die Nacht war eisig, aber unser kleiner Lüfter reichte für die winzige “Cabin”. Wir wachten auf, in einer Ruhe wie meine Frau und ich sie seit Monaten nicht mehr erlebt hatten. Als wir mit dem 80 Grad warmen Kaffee vor die Tür traten, standen wir in dem schönsten Winterwald, den ich je gesehen hatte, vollkommen allein, keine Menschenseele um uns herum, die Luft kalt und rein, doch die durch die Äste brechenden Sonnenstrahlen erwärmten unser Gesicht und unser Gemüt. Kein Empfang, keine Verpflichtungen, wir nahmen die Kälte mit tiefem Atem in uns auf und wussten, unser Urlaub hatte wieder begonnen. Ich sog die Wanderschuhe an und machte mich auf den Weg einen der Pfade in die Wälder zu finden. Beim ersten Schritt aus dem Camp in den Wald, sank ich fast bis zur Hüfte in den Schnee, so viel also zum „Wandern im Olympic Nationalpark“. Also hieß es, zurück zum Auto und weiter Richtung Küste. Wir passierten eine Abzweigung zum “Hoh Rain Forest” (https://www.nps.gov/olym/planyourvisit/visiting-the-hoh.htm) und entschlossen kurzer Hand diesem zu folgen. Eine wirklich gute Entscheidung. Denn hier kann man auf einem kurzen vielleicht 45-minütigen Spaziergang genau das sehen, was man im Olympic erwartet, einen völlig anderen mystischen Regenwald. Nebenbei bemerkt, allein der Weg bis zum Gate, ist den Abstecher schon wert. Nach unserem Waldabenteuer ging es noch weiter bis zur “Morro Bay”, einen Strand, der mich irgendwie an Free Willy erinnerte. Dann ging es zurück, natürlich nicht ohne einen kurzen Stop in Forks bei Bella und Co. von Twilight, zu unserer gemütlichen Hütte irgendwo im nirgendwo.

Bay5 Westküste-USA-Roadtrip-Teil-1
Bay2 Westküste-USA-Roadtrip-Teil-1

Victoria, Kanada

Von Port Angeles nahmen wir die Fähre nach Victoria, glücklicherweise trafen wir am Tag zuvor in Forks eine nette Ladenbesitzerin, die uns riet, den Winterfahrplan zu prüfen, wodurch wir uns für die erste von nur drei Fähren am Tag entschieden und damit wieder das meiste aus unserer Zeit rausholen konnten. Die Überfahrt war entspannt und wunderschön, doch leider mit $100 nicht ganz günstig, vor allem weil es am nächsten Tag noch einmal auf dem Seeweg nach Vancouver gehen sollte. In Victoria war, wie auch überall Winter, doch im Gegensatz zu den Metropolen befand sich die kleine, niedliche und verspielte Stadt auch im Winterschlaf. Daher entschieden wir uns kurzerhand für eine Whale-Watching-Tour auf einem Speedboat. Die Temperatur lag immer noch bei ca. 3-5 Grad, darum gab es Thermoanzüge, Handschuh und Mützen als Pflicht. Unserer Chancen auf Wale zu treffen, standen 50/50, doch unsere Hoffnung war groß und unser Guide super. Natürlich, wieder einmal unterschätzten wir die Kälte. (Langsam wird das für mich zum Running Gag) Bei voller Geschwindigkeit peitschte der Wind und die Brandung, immer wieder verlor das Boot den Kontakt zum Wasser, allein das war das Geld schon wert, einfach unglaublich cool. Fehlten nur noch die Wale. Nach 1.5h leider die Ernüchterung, keine Wale, aber Otter, Delfine und riesige Seelöwen und ein Weißkopfseeadler, der sich mit einem Raben „unterhielt“. Wie gesagt, der Ausflug war auch ohne Wale eines der absoluten Highlights für mich, ich empfehle nur, ihn im Sommer zu machen. Durch den Windchill auf dem Boot sank die Temperatur gefühlt auf -20 Grad, zusammen mit der Feuchtigkeit fühlte es sich an, als würden unsere Gliedmaßen langsam, aber sicher erst mit Nadeln bearbeitet werden und danach einfrieren. Zum Glück brachte uns der Guide danach in eine coole Kneipe zum Aufwärmen. Abendessen gab auf seine Empfehlung im hippen Stadtteil Fernwood. „Gute Leute, gute Preise“ klang genau richtig für uns. Na ja, das Essen war OK, vielleicht lag es aber auch an unserer Restaurantauswahl, eine Art Pub, die Leute waren freundlich bis zur Rechnung. Denn leider haben wir hier ziemlich offensichtlich gelernt, dass die Trinkgeldphilosophie die gleiche ist wie in den Staaten. Anscheinend “tippten” wir zu wenig, denn die Kellnerin verließ unseren Tisch mit einem Gesicht, das keine weiteren Worte mehr brauchte. Schade, aber glücklicherweise das einzige Mal, dass uns dies passierte. Jene Erfahrung soll Victoria auf keinen Fall schlecht machen. Es ist absolut einen Tagesausflug oder einen Aufenthalt von ein bis zwei Tagen wert. Auch im Winter, aber dann in den richtigen Klamotten.

Vancouver, Kanada

Eine weitere Überfahrt mit der Fähre brachte uns nach Vancouver in Kanada. Auch schon in Europa hatte ich das Gefühl, je weiter man nach Norden kommt, desto aufgeräumter und sauberer erscheinen die Städte. Außerdem kommen mir die Menschen in den nördlicheren Industrienationen immer irgendwie naturverbundener, entspannter, aufrichtiger, noch freundlicher und sogar glücklicher vor. Genauso war es in Vancouver. Obwohl es eine geschäftige Metropole ist, strahlt diese Stadt irgendwie eine unterschwellige Ruhe aus. Am Abend unserer Ankunft, meinem Geburtstag hatten uns meine Eltern von Deutschland aus, ein Dinner im “Seasons in the Park” (https://www.vancouverdine.com/seasons/) organisiert, wer einmal richtig schick essen gehen möchte, ist hier bestens aufgehoben. Ein sehr gutes, hochkarätiges Restaurant, mit einem unschlagbaren Blick über Vancouver. Klasse Essen, super Service und wirklich das Geld wert. Gesättigt und glücklich freuten wir uns auf einen vollen Tag in Vancouver. Die Stadt hat einiges zu bieten, ist aber eigentlich mehr Ausgangspunkt für Outdoor-Liebhaber. Tagsüber im Umland wandern, klettern, skien oder in der Bay fischen ist es, was Urlauber hier normalerweise tun. Abends werden dann die Vorzüge der Stadt genossen. Das Kuriose an Vancouver war für mich aber, dass man sich selbst in der Stadt, wie in der Natur fühlt. Vancouver schafft es, ehrlich gesagt keine Ahnung wie, irgendwie mit seiner Architektur, dem vielen Glas, den Tieren im Stanley Park und sicher auch mit seinen Menschen eine Symbiose mit der Natur herzustellen, die ich bisher noch nie auf dem amerikanischen Kontinent erlebt habe. Wir starteten mit einem ausgiebigen Spaziergang im Stanley Park, ein Muss bei einem Besuch in Vancouver. Beim Flanieren durch die grüne Lunge der Stadt, vergisst man jegliche Hektik und Sorge. Außerdem kann man wunderbar die verschiedensten Tiere beobachten und tolle Fotos von Ihnen sowie der Skyline machen. Downtown Vancouver ist, würde ich sagen, ein typisches Stadtzentrum einer Großstadt. Wolkenkratzer, teure Geschäfte und Restaurants, aber auch hier, man ist nicht mehr in Amerika. Es gibt Studien, dass die Kanadier glücklicher seien, als die US-Amerikaner und irgendwie hatten wir das Gefühl auch. Zu guter Letzt ging es nach Granville Island. Unter dem Highway 99 gelegen, gibt es hier einen absolut sehenswerten “Public Market”, ein perfektes Fotomotiv von der Vancouver Skyline vom Wasser aus, ohne eine Bootsfahrt machen zu müssen und unglaublich gutes Seafood direkt auf die Hand oder in der “Sandbar” (https://www.vancouverdine.com/sandbar/), einem Schwester Restaurant des “Seasons in the Park”. Das „Sandbar“ ist anders, aber mindestens genauso gut und damit meine zweite Empfehlung für gutes Essen in Vancouver.

Leider endete damit unsere Rundreise im nordwestlichsten Teil der USA mit einem kleinen Abstecher nach Kanada, um wenigstens einmal den Kulturunterschied zu erleben, mit dem die Amerikaner und Kanadier sich immer gegenseitig auf die Schippe nehmen. Ja, es gibt ihn, aber auf beiden Seiten der Grenze haben wir klasse Menschen getroffen. Nun ging es aber nach Süden, endlich wieder der Wärme entgegen, über die Grenze, durch Washington und Oregon zurück nach Kalifornien zur “Central-Coast”. Einige Meilen und Highlights lagen noch vor uns….

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