Schottland im Januar, rau und mystisch
18. September 2019

Wohnungssuche in Kalifornien, zwischen utopischen Mieten, Betrug und Abzocke

Das Finden einer Wohnung in Santa Barbara, Kalifornien war es, was mich am Anfang die meisten Nerven gekostet hat. Ich war durch meine Agentur zwar auf utopische Mieten vorbereitet (Studio $1500 pro Monat, WG-Zimmer ab $800 pro Monat), allerdings wollte ich das einfach nicht wahrhaben. Die San Francisco-Bay Area, LA und alles dazwischen, ist als eine der teuersten Gegenden der USA bekannt. Trotzdem leben hier nicht nur Superreiche, also durchforstete ich das Internet Tag für Tag nach einer erschwinglichen Bleibe. Anfangs nach Single-Apartments, später nach Studios, zum Schluss nach Einzelzimmern in WG´s oder Familienhäusern. Die Ansprüche sinken, wenn man einfach nichts findet, aber etwas finden muss.

Schnell lernte ich ein neues Wort, „Scam“

Ich fand immer wieder interessante Anzeigen im Internet, allerdings lernte ich schnell das Wort „scam“ kennen. Was nichts weiter als Betrug bedeutet. Gerade Craigslist https://craigslist.org/ , die erste Empfehlung aller bei der Suche nach günstigen Wohnungen, eine Seite, auf der man kostenfrei alles anbieten kann, was man verkaufen oder verschenken möchte, ist eine Art Mekka für „Scamer“.  Die Masche, die ich mehrmals kennengelernt habe läuft wie folgt: Man schreibt ein interessantes Angebot an, der Anbieter antwortet nach einiger Zeit per SMS und versucht Vorabzahlungen zu vereinbaren. Craigslist und alle anderen Seiten warnen bereits davor und empfehlen nur über Email und ihren Service zu kommunizieren, da man so die Scam-Angebote einfacher melden kann. Aber auch bei der vermeintlich sicheren E-Mail-Variante gibt es viel Scam. Zum Beispiel wird eine Vorabzahlung verlangt bevor man die Adresse der Unterkunft bekommt, oder als eine Art Versicherung, weil es so viel Interessenten gibt. Ich wurde sogar aufgefordert iTunes- oder Amazon- Gutscheine zu kaufen und diese zu schicken. Manche machen sich auch nur einen vermeintlichen Spaß auf Kosten anderer. Ich saß zum Beispiel zwei Stunden vor einem Haus in dem eine Wohnung online angeboten wurde, weil ich auf einen Besichtigungstermin wartete. Der Termin tauchte niemals auf, jedoch aber ein anderer Bewohner, der mir mitteilte, alle Wohnungen sind vermietet. Als ich daraufhin nochmals nachhakte, hieß es, dass etwas dazwischenkam, es ein Zahlendreher in der Adresse war und ich die erste Miete als Kaution überweisen soll um die richtige Adresse zu bekommen. Daraufhin ließ ich ihn oder sie wissen, dass ich alles, inklusive seiner/ ihrer Nummer der Polizei melden werde. Danach habe ich nie wieder etwas gehört. Aber nicht nur https://craigslist.org/ ist betroffen, auch mit Roomster https://www.roomster.com/ einer weiteren Empfehlung machte ich nur negative Erfahrungen. Hier wurden Mitbewohner gesucht sowie einzelne Zimmer in „shared housing“ (Wohngemeinschaften) angeboten. Eigentlich habe ich mit allen Seiten, auf denen Privatpersonen ihre Angebote einstellen konnten äußerst schlechte Erfahrungen gemacht. Sicher, es war nicht alles „scam“, wer lange genug sucht und Angebote, die zu gut sind um wahr zu sein von vorn herein ausschließt, kann auch auf diesen Internetseiten fündig werden. Ich habe Kollegen und Bekannte, die auf craigslist https://craigslist.org/  oder roomster https://www.roomster.com/ schwören, dort nur Gutes erlebt haben und es immer wieder nutzen und weiterempfehlen. Ich allerdings tue das nicht mehr und distanziere mich völlig von diesen Seiten.

Ein unglaubliche durchdachte Abzocke

Eine scam-Geschichte werde ich nie vergessen und möchte sie daher gern teilen. Nach 4 Wochen musste ich aus meinem vom Arbeitgeber gestellten Hotelzimmer ausziehen. Da ich immer noch keine Wohnung hatte, buchte ich für zwei Wochen ein Airbnb für $1600. Dies war wirklich das günstigste Angebot, das ich so kurzfristig bekommen konnte – leider auch das schlimmste was ich jemals gesehen hatte als ich ankam. Das einzig Gute an dem Airbnb war meine Mitbewohnerin Chanel, ein kleiner durchgedrehter Hund, der mich anscheinend mochte. Zum Glück habe ich keine Probleme mit Hunden oder deren Haare. Nebenbei, in der Anzeige über das Airbnb stand nichts über Chanel. Auch nicht darüber, dass das private Zimmer die Wohnküche mit Zugang zur Garage war durch die gegangen wurde, wenn man abends nach Hause kam und in der gekocht wurde, wenn man hungrig war. Merke, Wohnküche heißt offener Koch- und Wohnbereich. Man hätte mir also beim Kochen direkt einen Teller in mein „Bett“ reichen können. Du bekommst was du bezahlst, willkommen bei den Preisen in Santa Barbara. Zu diesem Zeitpunkt musste ich mich jedoch damit arrangieren, ich hatte ja keine Wahl. Nach täglichen scams und Fehlschlägen bei der Wohnungssuche in den ersten vier Wochen war ich nah am Verzweifeln und fing an zu glauben, dass es vielleicht normal sei in den USA eine Summe X vorab zu überweisen, um überhaupt eine Wohnung zu bekommen. Ich schrieb also ein weiteres Angebot an, diesmal offensiv, ich hätte keine Zeit für scams, habe viele schlechte Erfahrungen gemacht usw. Es ging hin und her, „Sie“ stellte sich als Anwältin eines derzeit im Ausland lebenden Geschäftsmannes vor, die sich um seine Wohnungen in den USA kümmert. Zur Verifizierung schickte sie mir eine Kopie ihrer ID sowie einen Mietvertrag, der eine offizielle Klausel zur Vorabüberweisung der Kaution enthielt. In meiner Verzweiflung willigte ich ein und terminierte die Kautionsüberweisung und Schlüsselübergabe. Als ich zu meiner Bank fuhr um die Überweisung starten zu lassen, stoppte mich glücklicherweise mein Sachbearbeiter. Nun, er stoppte mich nicht, er hakte nur nach, ob ich mir wirklich sicher bin, mit dem was ich tun wollte. Nachfolgend erzählte ich ihm die Geschichte und er fragte ob er die Dokumente sehen könnte. Natürlich gab ich ihm alles was ich dabei hatte. Nach dem er sie überflog, sagte er mir zum einen, der Mietvertrag sei wahrscheinlich nicht offiziell, da die Bankverbindung nachträglich eingefügt aussehe und zum anderen, sieht er äußerst verdächtig aus, er würde gern seinen Vorgesetzten dazu holen. Daraufhin checkten sie das angegebene Bankkonto. Natürlich gilt auch in den USA das Bankgeheimnis, welches mir untersagte irgendetwas zu sehen. Aber sie ließen mich wissen, dass das Konto drei Tage zuvor eröffnet wurde und es keinerlei Bewegungen gab. Dieser Fakt passte nicht zu einer Anwältin, die sich um mehrere Immobilien ihres Klienten kümmert. Die Bank hat das Konto „red-flagged“ also markiert und eine Untersuchung eingeleitet. Logisch, dass ich die Überweisung niemals durchführen ließ. Einige Tage später sah ich in den Nachrichten einen Bericht über eine neue Betrugsmasche auf dem amerikanischen online-Wohnungsmarkt. Das eingeblendete Bild zu dem Beitrag war die ID-Kopie die mir zur Identitätsbestätigung der Anwältin zugeschickt wurde. Mein Sachbearbeiter der Bank of America hatte meine $2600 Kaution gerettet.

So günstig wie möglich, aber realistisch – am Ende gab es doch noch gute Menschen

Nach dieser Erfahrung fand ich mich damit ab, dass es keine günstige Möglichkeit gibt in Santa Barbara zu leben. Also suchte ich auf den „normalen“ Immobilien-Seiten und fand meine Wohnung. https://www.zillow.com ; https://www.trulia.com ; https://www.apartments.com ; https://www.apartments.com

Nach 6 Wochen Suche, unzähligen Betrügereien und Abzocken, wenn das Angebot dann echt war, vereinbarte ich einen Termin mit einer echten Maklerin per Telefon. Ich sprach also wirklich mit einer realen Person. Zum ersten Mal hatte ich ein gutes Gefühl. Zwar war die Wohnung unter keinen Umständen das, was ich mir vorgestellt hatte. In meinen Augen war sie viel zu klein für den Preis und unmöbliert noch dazu, aber sie war real. Auch die Besichtigung fand tatsächlich statt. Natürlich erzählte ich der Maklerin von meinen Erfahrungen und wie glücklich ich gerade war, dass sie wirklich vor mir stand. Sie erwiderte nur, dass es ihr leid täte und dass in den USA nichts anders sei als irgendwo sonst. Geschäfte macht man nur mit realen Person, man überweise niemals Geld im Voraus, kein seriöser Makler würde so etwas verlangen. Die Mietpreise sind extrem hoch und alles was zu gut ist um wahr zu sein hat einen Haken. Ich bekam die Wohnung und konnte endlich ankommen. Kein Hotelzimmer mehr, in dem man permanent erreichbar und immer bereit ist zu arbeiten, kein Airbnb von Woche zu Woche oder Monat zu Monat für $800 pro Woche und keine Zimmer in einem 8 Bedroom Apartment mit zwei Bädern. Meine eigenen 20 Quadratmeter mit Küche und Bad, 10 min mit dem Rad bis zum Strand, auf der „Sonnenseite“ Santa Barbaras, für $1430 pro Monat warm. Es ist extrem viel Geld, aber das ist es, was man hier zahlt.

Die Maklerin ist meine Nachbarin, eine der nettesten Menschen, die ich hier getroffen habe und vor allem eine der wirklich wenigen Menschen, denen ich hier vertraue. Diesen Platz zum Leben bekommen zu haben ist am Ende das Beste was mir in Santa Barbara passiert ist.

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