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Schottland im Januar, rau und mystisch

„Wir müssen mal wieder raus!“ hieß es für meine Frau und mich Ende November 2017, beide ausgelaugt vom Job. In der Hotellerie sowie auch in der Eventbranche ist Jahresende Hochsaison, also hieß es durchziehen bis Silvester und dann weg. Als ich das Internet ohne ein wirkliches Ziel nach günstigen Lastminute-Flügen für „eine Woche irgendwohin“ im Januar durchforstete, stieß ich auf Schottland. Nicht gerade Sommer, Sonne, Palmen und 30 Grad, dem deutschen Winter entfliehen, aber irgendwie war es doch interessant. Erwartet man von Schottland nicht irgendwie diesiges Wetter, Regen, Nebel, bewölkter Himmel und nur ab und zu etwas Sonne? Ich fing also an unsere Route zu planen und überzeugte meine Frau. Nachdem wir ins neue Jahr gerutscht waren, stiegen wir am Neujahrsmorgen in den Flieger nach Glasgow. Vor uns lag ein etwas anderer „Erlebnisurlaub“, der uns dieses Mal nicht so sehr vor Ort beeindrucken, aber dafür irgendwie nachhaltiger im Gedächtnis bleiben sollte als wir erwarteten.

Glasgow

Glasgow ist vor Edinburgh die größte Stadt Schottlands und dadurch, dass es zu dieser Zeit die günstigste Flugverbindung von Berlin aus war, der Ausgangspunkt für unseren Trip. Da wir diesmal etwas straffer geplant hatten und nicht wie sonst ein bis zwei Tage unseren Ankunftsort erkunden wollten, bekamen wir unseren Mietwagen gleich am Flughafen, bzw. mit einem kurzen „pick-up-transfer“ der Firma in unmittelbarer Nähe. Kleiner Tipp am Rande: Checkt wie stark der Pfund zum Euro steht, da ich das nicht tat, sprengte die Kaution für unseren Mietwagen mein Kartenlimit, so dass ich, obwohl wir über Check24 wie immer ein Komplettpaket buchten, noch eine unnötige Zusatzversicherung zahlen musste um die Kaution soweit zu drücken, dass es passte. Egal! Auf ging es zum Hotel. Lenkrad rechts und Linksverkehr, keine Ahnung wie oft ich aus Gewohnheit auf der falschen Seite einsteigen und zuerst in die falsche Richtung schauen wollte. Aber meine Frau und ich waren wie immer ein super Team und meisterten den Rechtsverkehr. Ich habe es trotzdem etwas unterschätzt, es war sehr ungewohnt.
Nach der Ankunft im Hotel erkundeten wir natürlich noch die Innenstadt von Glasgow, schon nach den ersten Minuten wurde klar, dass es diesmal alles etwas anders sein würde. Schottland ist ein sehr beliebtes Reiseziel für Menschen aus aller Welt, daher ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle und eine Säule der Wirtschaft, jedoch nicht im Januar. Hoteliers und Gastronomen wissen, vergleicht man das Geschäft in Mitteleuropa mit einem Bären, so geht dieser nach dem aufregenden 3. und etwas ruhigeren 4. Quartal bis Ende Februar in den Winterschlaf bis Mitte bzw. Ende Februar. So wirkte Glasgow und Schottland im Allgemeinen während unseres Besuchs sehr verschlafen. Da wir jedoch aus genau diesem Stress kamen, strahlte die Stadt auf uns eine äußerst angenehme Ruhe aus. Glasgow ist nicht gerade als kulturelles Highlight von Schottland bekannt, eher für seine hohe Kriminalitäts- oder expliziter, Mordrate. Es ist eigentlich die Arbeiterstadt Schottlands. Dieses Vorurteil tut der Stadt allerdings unrecht. Bei unserem Spaziergang durch die Innenstadt merkten wir davon nämlich nichts, die mittelalterlich-wirkenden Bauten im Stadtzentrum gaben uns einen ersten Eindruck von dem, was uns in den nächsten Tagen erwarten sollte. Sehenswürdigkeiten wie: die „Glasgow City Chamber“, die „Gallery of Modern Art“, die „Roman Catholic Metropolitan Cathedral of St. Andrew“ oder das “Tiger Style Mural” waren auf jeden Fall einen nähren Blick wert. Überquert man die Brücke am „Tiger Style Mural“ oder lässt auch nur seinen Blick am Flussrand schweifen, so bekommt man einen Eindruck vom Verlassen des „Mittelalters“ hinein in die Arbeiterstadt und den typisch schmucklosen, großbritannischen Bauten der Gegenwart, eben die zwei Seiten Glasgows. Das „Lighthouse“ war eine weitere schöne Sehenswürdigkeit, in der es sogar gutes Essen zu vernünftigen Preisen gab. Wir entschieden uns allerdings für einen typischen Pub in einer der Nebenstraßen, um unseren ersten schottischen „Pub-Burger“ und „Pint“ zu genießen. Ein guter erster Eindruck, doch das war erst der Anfang.

Fort William

Zeitig ging es am nächsten Tag los und schnell wurde klar, die Tagesplanung ist essentiell, denn die Tage waren kurz. Wirklich hell war es nur von 9.30 bis 16.00 Uhr, dann begann die Dämmerung, wenn es überhaupt richtig hell wurde, denn die Tage waren erwartet neblig, grau, diesig und verregnet. Dieses Wetter tauchte die unglaublich schöne und zerklüftete Landschaft jedoch in eine Mystik, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Die Hauptverkehrsstraßen waren eng und schwer einzusehen, sie schlängelten sich durch die graugrüne mit Felsen und Seen gespickte Natur, eine traumhafte Überlandfahrt. Wir stoppten in dem kleinen Ort „Luss“ um uns die Beine zu vertreten und sahen zum ersten Mal die typischen winzigen Cottages am „Loch Lomond“ und den zutiefst beruhigenden Ausblick über eine Seen- und Bergkulisse im schottischen grauen Winter. Die Autofahrt durch das Inland ist einfach so toll, dass man eigentlich alle 5 km anhalten könnte und sich ärgert, dass man kein professioneller Fotograf ist. Der erste Eindruck der „Highlands“, die wir im Übrigen mit Beginn des Loch Lomond „betraten“ war wirklich, als würde man eine Postkarte betreten. Unsere Unterkunft bei Fort William war das Balluachulish Hotel https://www.ballachulish-hotel.co.uk/ unsere ganz persönliche altschottische Hotelerfahrung. Wir dachten wirklich in der Nacht besucht uns das Schlossgespenst. Das Abendessen war traditionell, leider nicht herausragend für den Preis und das Frühstück war schottisch solide. Die Kulinarik der Insel ist bekanntermaßen nicht überragend. Aber hier ging es so oder so mehr um die Umgebung und das Burgfeeling des Hotels. Das war auf jeden Fall extrem gut und seinen Preis wert.

Unweit vom Hotel entfernt war eine der „Must see“, das „Glanfinnan-Viadukt“, weltbekannt aus den Harry Potter Filmen. Wir entschieden uns, nicht nur aus dem Auto zu steigen und ein Foto vom Aussichtspunkt zu machen, sondern eine kleine Wanderung durch die verregneten Auen zu wagen um einen besseren „Shot“ zu bekommen. Solche kurzweiligen Stopps mit einer halbstündigen Wanderung habe ich auf unseren Roadtrips wirklich zu schätzen gelernt, es ist immer wieder erfrischend und erstaunlich was man sehen kann, wenn man sich diese Zeit einfach mal nimmt. Übrigens trafen wir zwei andere Paare, die etwas weiter oben auf den Zug warteten um „Das Foto“ zu bekommen. Wir schlossen uns an, gaben dann aber auf. Wer den Zug mit drauf haben möchte, sollte vorher den Fahrplan checken und dann bitte auch darauf achten, dass er aus der richtigen Richtung kommt. Die alte Dampflock wäre das I-Tüpfelchen, für mich war der Anblick auch ohne Zug umwerfend genug.

Auf dem Rückweg hielten wir noch kurz in Fort William. Na ja ich würde sagen: Hätten wir die letzten hellen Stunden mit einer kleinen Wanderung in den Highlands hinter dem Hotel verbracht, hätten wir genauso viel erlebt wie in der Innenstadt. Ein süßes kleines Örtchen mit dem typischen Stadtzentrum und kleinen Geschäften.

Isle of Skye, und Inverness

Noch zeitiger ging es am nächsten Tag los, da wir uns am Abend davor doch entschieden hatten, dass wir die Isle of Skye nicht auslassen dürfen. Also ging es zuerst nach Portree. Allein die Fahrt dorthin war den Weg schon wert, die Umgebung wurde von Kilometer zu Kilometer unwirklicher. Wir starteten in saftigen Highlands, durchquerten verregnete Wälder, erlebten einen Wetterumschwung zu strahlendem Sonnenschein und überquerten die Brücke zur Isle of Skye wiederum bei zugezogenem Himmel. Die Insel wirkte zunehmend lebensfeindlicher und begrüßte uns etwas später mit einem kleinen Schneesturm. Das Wetter war raff, machte aber die Gefilde nur noch imposanter. Angekommen in Portree waren wir wie in einer Blase verglichen mit dem Weg dorthin, die Sonne schien, kaum Menschen unterwegs, absolute Ruhe und Entspanntheit. Ein kleines idyllisches Örtchen, wie gemalt. Nach einem Spaziergang und einer Stärkung in Form eines Kaffees und einer heißen Schokolade ging es zurück durch die harte Realität des schottischen Januarwetters. Dieses normalisierte sich wie durch Geisterhand wieder als wir die Isle of Skye verließen.
Auf unserem Weg passierten wir eine weitere weltberühmte Filmkulisse „Eilean Donan Castle“. Bekannt aus Highlander, 007-Die Welt ist nicht genug, Verlockende Falle und einigen anderen Filmen, war es für mich als Filmfan natürlich keine Frage, dass wir hier anhalten mussten. Bedauerlicherweise war auch diese Sehenswürdigkeiten auf Grund der Jahreszeit geschlossen. Trotzdem ein tolles Gefühl davorzustehen. Weiter in Richtung Inverness ging es außerdem vorbei am wohl berühmtesten „Loch“ des Landes „Loch Ness“. Natürlich hielten wir an um nach dem Monster Ausschau zu halten. Leider erfolglos. Inverness selbst galt wieder nur als Ort zum Übernachten, natürlich schauten wir uns die Innenstadt auf der Suche nach einer Dinner-Möglichkeit etwas am Abend an. Allerdings muss ich ehrlich gestehen, dass mich die mittelalterlichen Bauten an diesem Punkt nicht mehr sonderlich beeindruckt haben. Was mir in Inverness jedoch immer in Erinnerung bleiben wird, ist die Herausforderung unseres Gastgebers beim Frühstück am Morgen unserer Weiterreise. Airbnb, Hausmannskost und landestypisches Frühstück, als echter Mann muss ein Schotte die Landesküche essen. Also probierte ich „Blackpudding“ und „Haggis“, googlet doch mal, für die, die nicht wissen was es ist. Ich jedenfalls muss es nicht noch einmal essen.

Aberdeen

Da wir auf unserer Reise nun schon von einigen Leuten gehört hatten, warum in aller Welt wir denn in Aberdeen anhalten wollten, degradierten wir diesen Stopp zu „nur einer Übernachtung“ und entschieden uns den Weg dorthin einfach zu genießen. Wir änderten unseren Plan vom schnellsten direkten Weg, zum schönsten. Also begannen wir unseren Tag mit einem Abstecher nach „Chanory Point“, hier sollte man Delfine sehen können, leider hatten wir wieder kein Glück auf Grund der Jahreszeit. Es war aber trotzdem ein guter Start in den Tag, da es einfach ein romantisches Fleckchen Erde mit einem kleinen Leuchtturm ist, den man sich anschauen kann. Weiter ging es entlang der Küste nach Richtung Aberdeen. Wir fuhren durch verschlafene kleine Arbeiterstädte, entlang der rohen und stürmischen Ostküste des Landes. Während dieser Fahrt realisierten wir, dass wir uns eigentlich das erste Mal überhaupt seit wir in Schottland waren an einer Ozeanküste befanden. Die Meeresbriese war eisig und harsch, trotzdem genossen wir es bei den Klippen zu sein, die unendliche Weite des Meeres und die schiere Gewalt der Wellen zu beobachten. Ich erinnere mich an diesen Punkt dieser Reise so gut, weil wir ungefähr die Hälft hinter uns- und auch schon viele tolle Dinge gesehen hatten, aber sich irgendwie die Urlaubsstimmung nicht so richtig einstellen wollte. Das Wetter und die kurzen Tage machten uns eher nachdenklich, was am Ende nicht schlimm sein sollte, aber dazu später mehr. Was ich, als ich mit meiner Frau im Arm, vor der lebensfeindlichen Kulisse, der kalten und stürmischen See mit ihrer zerklüften Küste stand, realisierte, war ein weiteres Mal wie glücklich ich war. Es war bis hierhin vielleicht nicht der perfekte Urlaub, die Reisezeit war etwas unglücklich gewählt, sicher war es mystisch und großartig all das zu sehen, aber Fakt ist nun mal, dass es zu 90% regnete und kalt war. Dies brachte nicht wirklich das Urlaubsfeeling, was wir gebraucht hatten. Aber, es kam nicht darauf an wo wir waren, oder wie die äußeren Bedingungen waren, sondern mit wem wir dort waren. Urlaub kann überall und alles sein, solange man nur mit dem Menschen zusammen ist, den man liebt. An diesem Punkt sah ich meine Frau an und die eisige Kälte des Windes wurde durch ein warmes Gefühl in mir ersetzt. Ich war einfach nur glücklich, dass ich jemanden gefunden hatte, der so etwas mit mir durchzieht und es sogar noch genießen kann. Unsere kleine Klippenwanderung brachte uns außerdem durch Zufall zu einer verlassenen Bunkeranlage aus dem zweiten Weltkrieg, und schon waren meine Frau und ich wieder Kinder, das war cool!! In Aberdeen angekommen hatten wir keine wirkliche Lust auf Sightseeing, es gab ja angeblich eh nichts zu sehen. Wenn man sich mit der Stadt etwas beschäftigt, ist das natürlich Blödsinn. Trotzdem nutzten wir den im Vergleich zu unseren letzten Aufenthalten moderneren Teil der Stadt um einfach etwas shoppen und trinken zu gehen. Wir fanden tatsächlich eine mega stylische Bar in einer echten umgebauten Kathedrale. Dass es so etwas gibt, hätte ich nie gedacht, aber das war auf jeden Fall ein Highlight!

Stirling

Bevor wir auf direkten Weg von Aberdeen zum nächsten Stopp unserer Reise aufbrachen, nutzten wir die Nähe der Industriestadt zu einem weiteren „Must see“ und besuchten das „Dunnottar Castle“. Dieses war sogar trotz der Jahreszeit für Touristen geöffnet und eine Augenweide für Fans von Burgen. Es ist sehr gut erhalten und sehr gepflegt. Allein die Lage und der Anblick aus der Ferne machten den kurzen Abstecher absolut sinnvoll. Außerdem hatten wir uns sowieso entschieden die Zeit an der Küste auszukosten. Eine weitere tolle Erinnerung.
Stirling war sozusagen der letzte Stopp vor dem großen Finale unsere Reise. Ehrlich gesagt waren wir nicht mehr sonderlich aufgeregt. In den letzten Tagen hatten wir so viele schöne verschlafene, mittelalterliche Dörfer als auch Burgen gesehen, genauso wie „größere Städte“, die am Ende irgendwie immer gleich aussehen. Ich würde nicht sagen wir waren gelangweilt, aber vielleicht schon etwas abgestumpft. Nach einem Trip durch die Highlands muss man einfach gestehen, dass die Dörfer und Städte relativ schnell normal werden. Schottland ist außer den großen Städten Glasgow, Edinburgh und vielleicht noch Aberdeen doch sehr ländlich und nicht wirklich vielfältig in seinem Städtebild. Auf Grund dessen cancelten wir auch kurzer Hand den Besuch des „Stirling Castle“ und entschieden uns nur zum Erwandern des „Wallace Monuments“. Das musste sein, immerhin ging es um William Wallace, den Helden aus Braveheart. Der Aufstieg war wunderbar kurzweilig und witzig, denn er ist gespickt mit geschnitzten Holzfiguren. Es ist ein netter Spaziergang mit einem schönen Ziel, perfekt für einen weiteren kurzen Abstecher am Straßenrand. Den Abend in Stirling verbrachten wir entspannt in einen von unserem Gastgeber empfohlenen Pub bei zünftigen nicht ganz so gesunden Essen und Bier. Wahrscheinlich haben wir Stirling etwas Unrecht getan, aber wir waren mit den Gedanken einfach schon einen Tag weiter in Edinburgh.

Edinburgh

Wie bereits erwähnt, an Edinburgh hatten wir die höchsten Erwartungen. Denn es ist die touristisch wohl meist-gehypte Stadt in ganz Schottland. Darum war dies unser einziger Stopp, an dem wir zwei Nächte und somit einen ganzen Tag in der Stadt planten. Nicht nur, weil während unseres gesamten Aufenthalts die Sonne schien, auch von der Stadt selbst wurden wir nicht enttäuscht. Edinburgh ist für mich definitiv die Perle des Landes. Sie hat den gleichen mittelalterlichen Scharm wie alles andere was wir zuvor gesehen hatten, wirkt aber wesentlich weltoffener, geschäftiger, multikultureller und sogar sauberer. Die Fusion zwischen Mittelalter und Heute ist einfach fantastisch. In anderen Städten wie z.B. Prag, Budapest oder auch Dresden gehört der historische Stadtkern zum Bild der Stadt. In Edinburgh ist es, als wären die Gebäude in einer anderen Zeit und man läuft in der Zukunft an ihnen vorbei. Es ist einfach traumhaft. Natürlich flanierten wir über die „Royal Mile“ hinauf zum „Edinburgh Castle“ und genossen den einzigartigen Blick über die Stadt. Die „Royal Mile“ ist die zentrale Straße der inneren-Altstadt. Sie ist vollgepackt mit wunderschönen Bauten links und rechts, Geschäften und Restaurants. Eines unserer Highlights war z.B. die „St. Gilis Cathedral“, ein beeindruckendes Gotteshaus im Zentrum der Altstadt. Wir hätten uns hier ohne Probleme einen ganzen Tag verlieren können, aber die Stadt hatte noch so viel mehr zu bieten. Am Ende der „königlichen Meile“ verließen wir die Altstadt und erklommen vorbei am „Martyrs of Reform Monument“ den Calton Hill. Von hier aus hatten wir vom Nelson- und Dugald Steward Monument einen weiteren tollen Blick und Fotospot auf Edinburgh. Zurück ging es über die Princessstreet, eine Einkaufsstraße, die ebenso mit einigem Sehenswerten gespickt ist. Wir passierten das „Scott Monumnet“, machten einen kurzen Abstecher zur „Scottish National Gallery“ und spazierten durch die „Princes Street Gardens“. Es ist einfach eine hinreißende alte, aber durch die vielen Studenten, auch eine sehr junge, intellektuelle und cool Stadt. Man kann sich einfach wunderbar durch die Gassen treiben lassen und entdeckt etwas Interessantes immer und überall, ganz zu schweigen von den Bars und Restaurants. Edinburgh hat wirklich Spaß gemacht.

Rückreise

Nach zwei Nächten ging es dann zurück nach Glasgow um den Mietwagen abzugeben und unseren Schottland-Kurztrip zu beenden. Nebenbei ein kleiner Tipp, lest die Rezensionen eurer Autovermietung bevor ihr euch für sie entscheidet und nicht kurz bevor ihr das Auto wieder abgeben wollt. Unsere Vermietung hatte derart schlechte Bewertungen, dass wir auf alles vorbereitet waren als wir wieder dort ankamen. Ich hatte sie vorher einfach vergessen zu lesen. Am Ende war alles super und wir sind das Auto ohne Probleme wieder losgeworden.
Abschließend möchte ich folgendes zu Schottland im Januar sagen:
Ich glaube nicht, dass die Zeit nicht optimal ist, aber das Wetter ist schon eine Sache für sich. Es ist immer kalt, irgendwie fast nie richtig hell und es regnet zu 90%, beziehungsweise, ist es neblig und feucht. All das kann man mögen, es kann aber auch aufs Gemüt schlagen. Unser Kopf und Körper haben es nicht geschafft sich in den 8 Tagen voll auf Urlaub einzustellen und herunterzufahren. Das dachten wir zumindest als wir zurück waren. Allerdings musste ich etwas später feststellen, dass diese Reise fast schon meditative war. Schottland in dieser Jahreszeit ist wie ein einziger Nationalpark. Der Tourismus ist so niedrig, dass man zwar zum einen den Großteil der Attraktionen nur von außen bestaunen-, aber zum anderen die Schönheit des Landes in einer Ungestörtheit bewundern kann wie es in anderen Monaten wohl kaum möglich ist. Gerade in den Highlands hätte ich mir am liebsten ein Schwert umgeschnallt und wäre mit Wolfspelz und Schottenrock wie Conner McCloud über die Wiesen geritten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies im Frühling, Sommer oder Herbst genauso ist. Ein weiterer Faktor ist kurzerhand der Preis. Zu dieser Zeit ist Schottland absolut erschwinglich, die Unterkünfte sind günstig und die Restaurants bieten Low Season-Specials. In der Hauptsaison ist Schottland einfach wahnsinnig teuer. Würde ich Schottland im Januar empfehlen? Ja, wenn man sich im Klaren ist, worauf man sich einlässt. Schottland ist zu dieser Jahreszeit kein Abenteuerurlaub, es ist ein malerisches Land mit netten Einheimischen und einer tiefen Historie. Es ist aber auch nicht wirklich vielseitig. Wie bereits erwähnt, kann es nach einer gewissen Zeit recht eintönig werden. Ich denke 8 Tage bzw. 7 Tage, einen Tag weniger als wir dort waren, ist eine gute Dauer. Mir tat dieser Urlaub extrem gut. Durch die bereits erwähnte meditative Art und Weise dieses Trips, habe ich Dinge anders betrachtet und für mich einige Entscheidungen getroffen. Außerdem habe ich mich persönlichen nach diesem Urlaub meiner Frau noch näher gefühlt. Wie ich bereits auf dem Weg nach Aberdeen beschrieb, dadurch das nicht jeden Tag Eindrücke auf mich einprasselten habe ich verstanden, dass ich mich jede Sekunde bei meiner Frau wohl und geborgen fühle, egal wo wir sind und was um uns herum passiert.
Ich würde sagen Schottland im Januar ist die etwas andere Auszeit, eine Flucht in eine unwirklich erscheinende Umgebung, verglichen mit einem hektischen und städtischen Lifestyle.

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