Heiraten in den USA – nur wir Zwei, romantisch und ohne Stress
23. July 2019

Jordanien, 6 Tage die die Lust zu Reisen erweckten

Gelegen zwischen Syrien, Irak, Saudi Arabien und Israel war Jordanien 2017 nicht gerade das was mir, als erstes Reiseziel in den Sinn kam wenn ich an Urlaub, Entspannung und etwas Abenteuer dachte. Wobei ich mir über den Abenteuergehalt einer Jordanien-Reise einige Dinge anhören konnte als ich meiner Familie und meinen Freunden erstmalig von den Plänen erzählte. Im Großen und Ganzen zielten die Sprüche auf eine Reise in ein Kriegsgebiet ab. Dies allerdings ist nichts weiter als Unwissenheit und kommt hauptsächlich durch die sehr krisen-fokussierte Berichterstattung der europäischen Medien über Israel und Syrien. Sicherlich sind diese Länder gebeutelt von Krisen und Bürgerkrieg, allerdings gilt zum Beispiel auch Israel als wunderschön und beliebtes Reiseziel, es hängt immer davon ab, wo genau man hinreist.

Ich als durchschnittlicher nicht wirklich politisch interessierter Europa-Reisender war ziemlich unsicher, als mich meine Frau im Sommer 2017 fragte, ob unser erster gemeinsamer Urlaub Jordanien werden sollte und ich sie begleiten möchte. Anzumerken ist hier, dass sie die Reise schon geplant, seit Langem auf ihrer „Bucketlist“ hatte und außerdem bereits äußerst Reiseerfahren in der ganzen Welt war. Daher entschied ich mich trotz eines etwas mulmigen Gefühls zu einem 7-tägigen Intensiv-Trip in eine andere Welt, der mich am Ende zutiefst beeindrucken sollte.

Doch was hat mich dazu gebracht meine Vorurteile zu vergessen, meine Augen zu öffnen, und vor allem, was war es, dass den Drang, nun immer wieder auf Reisen zu gehen und fremde Länder mit ihren Kulturen zu entdecken, so nachhaltig in mir ausgelöst und verankert hat? Im Folgenden berichte ich über einen Trip in ein Land, das ich jedem als Reiseziel nur ans Herz legen kann. Ich würde sogar sagen, jeder sollte in seinem Leben einmal die Erfahrung gemacht haben in diesem Land gewesen zu sein und die Gastfreundschaft und Schönheit erlebt haben.

Zuerst einmal, Jordanien gilt als „relativ sicheres Reiseland“, man darf nicht vergessen, dass man in den Mittleren Osten reist und ja, es gibt Konflikte mit Israel und Syrien. Daher sollte man sich von den Grenzregionen zu diesen Ländern definitiv fernhalten. „Relativ sicher“ klang auch für mich nicht gerade perfekt, aber sind wir ehrlich, wo ist es heut zu Tage schon sicher? Trotzdem war dies die erste Reise, vor deren Antritt ich die „Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts“ gelesen habe. https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/jordanien-node/jordaniensicherheit/218008

Hier gab es nichts, was mich überrascht hat. Ehrlich gesagt hat mich das Surfen und Erkunden dieser Website eher beruhigt da sich die Sicherheitshinweise für Länder die ich persönlich als „sichere Reiseziele“ einstufte nicht sehr von denen für Jordanien unterschieden haben. Alles was ich für mich und meine Frau vor der Reise gemacht habe, um mich besser zu fühlen, war, uns bei „elefand“ zu registrieren. https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/jordanien-node/jordaniensicherheit/218008 . Sie hat mich zwar etwas belächelt, aber ich habe mich besser gefühlt und tue dies, seitdem ich mich damit beschäftigt habe, nun vor jeder unserer Reisen. https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/elefand/301844

Amman

Begonnen haben wir unsere Reise mit einem fünfstündigen Flug von Berlin nach Amman. Amman, die Hauptstadt Jordaniens hat eine sehr weit zurückreichende Historie, gilt allerdings als sehr junge Metropole, da der Wachstumsschub der Stadt zur Metropole erst nach der Staatsgründung Israels 1948 in Folge von Flüchtlingsströmen aus dem Westjordanland einsetzte. Auffallend war für mich der extrem westlich wirkende erste Eindruck, als wir in Amman ankamen. Auf den Straßen sahen wir die arabische Tradition, wie man sie sich vorstellt aber ebenso direkt daneben die starken westlichen Einflüsse. „Amman ist eine Stadt in der Muslime und Christen friedlich zusammenleben“. Jordanien zählt nicht umsonst zu den westlichsten Ländern des Mittleren Ostens. Wir verbrachten unseren ersten kompletten Tag damit, die Stadt fußläufig zu erkunden. Einen Ort mit dem typischen Charme einer orientalischen Großstadt des 21. Jahrhunderts gespickt mit wunderschöner Historie. Highlights waren die König Abdullah Moschee, der Zitadellenhügel, das römische Theater und der Suq im Herzen des Stadtzentrums. Wer auf der Jagd nach Mitbringseln und Souvenirs ist, wird hier auf jeden Fall fündig. Wird man hungrig, findet man etwas für so gut wie jeden Geschmack und Geldbeutel. Sei es Fingerfood auf dem Basar oder ein erstklassiges Fine-Dining-Restaurant. Auch den Tag gemütlich mit einem Getränk ausklingen zu lassen ist in einer der zahlreichen Bars kein Problem. Kommt man mit Einheimischen in Kontakt, so merkt man schnell wie freundlich und hilfsbereit sie sind. Gerade dieses „kommt man in Kontakt“, kannte ich aus vorherigen Urlauben im Orient ganz anders. Mir hatten sich die aufdringlichen Verkäufer und nicht lockerlassenden Promoter von Reiseangeboten aus anderen orientalischen Reisezielen ins Gedächtnis gebrannt. So etwas oder auch nur etwas Ähnliches passierte uns hier nirgendwo. Genau der richtige Auftakt für unsere Reise.

Das Tote Meer und mit dem Mietwagen durchs Inland

Wir buchten unseren Mietwagen erst ab dem zweiten Tag, dies würde ich auch immer wieder so machen. Vom Flughafen gibt es definitiv eine Möglichkeit in die Stadt zu gelangen, das Parken ist ein Problem wie in jeder Großstadt und der Verkehr äußerst ungewohnt und nervenaufreibend. Den Mietwagen buchten wir bereits in Deutschland. Ein kleiner Tipp wer von Amman nach Süden möchte, muss einige steile Berge überqueren. Die kleinste Mietwagenklasse ist zwar die günstigste, aber nicht gerade die beste Wahl dafür. Das gesparte Geld ist das Mehr an benötigter Zeit durch die schlechte Motorisierung nicht wert. Unser Weg nach „Petra“ führte uns vorbei am „Toten Meer“. Natürlich haben wir angehalten und uns ein paar Wellnessstunden gegönnt. Auch um es so vielen andern gleich zutun und ein persönliches Foto und eine Erinnerung von „Einmal auf dem Wasser treiben und Zeitung lesen“ zu haben. Will man diese Erfahrung machen, muss man sich zwischen einem öffentlichen Strand oder eines der zahlreichen Resorts entscheiden. Die Resorts bieten Tageskarten von 60€ aufwärts an. Dafür hat man dann den einen privaten Hotel-Strandabschnitt, sowie einen kompletten Poolbereich mit Liegen, Sonnenschirmen und allem was dazu gehört zur Verfügung. Wir entschieden uns auf Anraten einiger Einheimischer in Amman für die Resort-Variante. Eine kleine Randnotiz: Zudenken, dass man trotz des Salzgehaltes mit offenen Augen tauchen kann, ist einfach komplett dämlich. Es fühlte sich in etwa so an, wie als ich versehentlich Pfefferspray in die Augen bekommen habe. Als wir unsere Fahrt am späten Nachmittag fortsetzten und den öffentlichen Strand passierten, waren wir sehr glücklich die 60€ p. P. investiert und unseren Wellnesstag im Mövenpick Resort verbracht zu haben, da es extrem überfüllt und leider doch recht schmutzig war. Wie oben bereits erwähnt, führte uns unser Weg nach Petra durch einige steile Bergpassagen, die unseren Hyundai i10 fast in die Knie zwangen. Aus einer Strecke von eigentlich 3 Stunden wurden so 6 Stunden. Wir erlebten dadurch zwar einen atemberaubenden Sonnenuntergang, allerdings stellte uns genau das, vor ein neues Problem. Während unserer Vorbereitungen lasen wir immer wieder, dass man Nachtfahrten unbedingt vermeiden soll. Nun lernten wir warum, zum einen ist die Straßenbeleuchtung selbst in den Ortschaften sehr schlecht bzw. gar nicht vorhanden, zum andern fahren die Jordanier sogar nachts teilweise ohne Licht. Kutschen sind nicht beleuchtet und Vieh wird ebenso auf den Straßen, natürlich ohne Licht, getrieben. Man muss nachts einfach extrem vorsichtig fahren und sollte es am besten wirklich vermeiden. Genau darum bot sich ein Zwischenstopp auf halben Weg an. Unglaublich was für Perlen von Unterkünften man auf Booking.com oder allgemein online im jordanischen Hinterland für wenig Geld finden kann. Auch hier wieder, Gastfreundschaft super, Essen günstig, viel zu viel, einfach aber sehr lecker.

Willkommen in Petra, einem der eindrucksvollsten Orte der Welt

„Das kenne ich aus Indiana Jones“ waren meine Worte, als mir meine Frau Bilder von Petra zeigte. Das ist in Jordanien, war ihre Antwort. Selbst heute noch fällt es mir schwer, Worte dafür zu finden, was ich an diesem Tag gesehen habe. Es war einfach so überwältigend, zusehen was Menschen vor Tausenden von Jahren mit ihren bloßen Händen und einfachsten Mitteln geschaffen haben. Der Eintrittspreis von 50JD (Jordan Dollar) (ca. 63€) pro Person erscheint im ersten Moment hoch, ist es aber mehr als wert. Offengesagt Petra ist ein Muss, Jordanien hat viele Attraktionen aber Petra nicht zu sehen, wenn man dieses Land bereist, ist schlicht und ergreifend dumm. An dieser Stelle möchte ich außerdem den „Jordan Pass“ empfehlen. Dies ist eine Art Master-Eintrittskarte für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Jordaniens, er kostet 90€ pro Person und inkludiert den Eintrittspreis für einen Tag Petra. Außerdem sind 40 andere Attraktionen enthalten. Es ist also ein wirklich guter Deal. https://www.jordanpass.jo/Default.aspx Ein kleiner Tipp für die Reiseplanung vorweg, jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag gibt es „Petra by Night“. Hier werden Tausende von Kerzen entzündet, die den ersten Teil des Weltkulturerbes in eine fantastische Atmosphäre tauchen. Leider durften wir das nicht erleben, da wir an einem Freitag in Petra ankamen. Auch ohne Kerzenschein verbrachten wir einen unvergesslichen Tag in einer atemberaubenden Umgebung. Startet früh in den Tag! Empfehlenswert und notwendig für die garantiert mehrstündige Wanderung durch die monumentalen Grabstätten in brütender Hitze ist eine Kopfbedeckung und Wasser. Ein Snack für zwischendurch ist außerdem auch keine schlechte Idee. Es gibt natürlich Möglichkeiten in Petra etwas Essbares zu bekommen, allerdings muss das nicht unbedingt sein. Die Restaurants außerhalb Petras in der Stadt Wadi Musa sind einfach besser und authentischer. Direkt am Eingang der Felsenstadt wurde klar, dass Petra für die breite Masse durchaus bekannt ist. Auch wenn viele gar nicht wissen, dass sie bereits Bilder von Petra gesehen haben. Denn nach einer ca. einstündigen Wanderung erreichten wir das erste Highlight, das Schatzhaus-Al Kazneh. In „Indianer Jones – Der letzte Kreuzzug“ war es der Eingang zum finalen Fundort des Heiligen Grals. Natürlich wusste ich dies, den Indi war ja einer der Helden meiner Kindheit. Allerdings war ich etwas enttäuscht, das soll es gewesen sein? Keines Wegs die einstündige Wanderung durch die Schlucht und der belohnende Anblick des „schönsten Wahrzeichens Jordaniens“ war erst der Anfang. Wir folgen dem Pfad immer tiefer in die Jahrtausende alte Felsen-Stadt. Egal wohin wir auch schauten, immer wieder fanden wir kleine Details, die uns beeindruckten, immer wieder verließen wir den eigentlichen Pfad, um uns Grabmäler genauer anzusehen und immer wieder wurden wir ganz still und ehrfürchtig, wenn wir realisierten, wo wir uns eigentlich gerade befanden. Wir entschieden uns den Weg bis zum Kloster Al-Deir zu folgen. Das Kloster markiert so ziemlich eine der Grenzen von Petra. Nach einem ca. 3-stündigen Marsch und 60-minutigen Aufstieg wurden wir mit einem monumentalen Anblick belohnt. Als wir uns in einem kleinen „Café-Zelt“ gegenüber einen Kaffee und Tee gönnten, stachen uns die Wegweiser zum „Best View in Jordan“ ins Auge. Wenn wir also schon einmal hier waren… und wirklich, nach ein paar Metern sahen wir ein weiteres unvergessliches Panorama einer Felsenwüste im Sonnenuntergang. Petra hat sich in mein Gedächtnis gebrannt, noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich die Fotos betrachte. Wie ich anfangs bereits sagte, ich kann es nicht einmal mit Worten beschreiben, man muss es mit eigenen Augen sehen und erleben. Es ist zu Recht ein Weltkulturerbe und ohne Übertreibung einer der beeindrucktesten Orte der Welt.

Wadi Rum

Noch völlig überwältigt von Petra entschieden wir uns am nächsten Tag für den Besuch der Wüste Wadi Rum. Von Petra waren es nur knapp 2 Stunden mit dem Auto bis zum Besucherzentrum. Unser eigentlicher Plan war eine Tagestour, doch alles sollte wie so oft anders kommen. Hinweis, nein man kann im Visitor Center die Touren nicht mit Visa – oder Master Card bezahlen und nein, es gibt auch keine Geldautomaten um Bargeld abzuheben. Weil wir aber genau dies dachten, standen wir nun da, ohne Bargeld und wollten schon enttäuscht und unverrichteter Dinge wieder fahren. Als wir eine Geschichte erlebten, die ich wohl noch meinen Kindeskindern erzählen werde.

Im Besucherzentrum trafen wir einen jungen Mann, der selbst und dessen Vater Wüsten-Touren durch Wadi Rum in der x-ten Generation anbot. Wir erklärten ihm, dass wir leider kein Bargeld dabeihaben und er erwiderte nur, dass wir uns darum keine Gedanken machen sollen, er möchte uns helfen und dass wir eine unvergessliche Zeit in seiner Wüste haben. So trafen wir etwas später auf unseren „lokal Guide“, der ebenso bei Trip Advisor zu finden ist. Leider ist mir sein Name entfallen, allerdings gibt es Unmengen verschiedener Locals die ihre Dienste als erfahrene Wüsten-Guides anbieten. Immer noch ohne Bargeld, einigten wir uns auf einen Tagestrip mit dem Jeep und eine Übernachtung im Camp mit zeitiger Rückreise zu unserem Auto am nächsten Tag, da wir ja aus unserem Hotel auschecken mussten. Kostenpunkt: 90€ pro Person. Wie gesagt, alles ganz spontan. Unsere neue Bekanntschaft wollte uns also nun seine Wüste zeigen. Bevor die Tour losging, stoppten wir noch an einem lokalen Shop, in dem für uns kleine Snacks sowie Zutaten für Abendessen und Frühstück gekauft wurden. Noch einmal zur Erinnerung, wir hatten noch nichts bezahlt, kein Bargeld und noch keine Ahnung, wie wir es bezahlen sollten.

Als Nächstes tauchten wir mit unserem Guide in die Schönheit der Wüste ein. Die Wadi Rum besticht durch ihren roten Sand und den unglaublichen Felsformationen. Aufgrund dessen diente sie auch als Kulisse für Marsfilme wie „Red Planet“ oder „Der Marsianer“. Es gibt noch einige andere Filme, die hier gedreht wurden, was für mich als Filmfan natürlich einer der Hauptgründe für einen Besuch der Wüste war. Allerdings war die Filmografie Jordaniens für mich ja bereits in den letzten Tagen in Amman, dem Toten Meer und natürlich in Petra immer weiter in den Hintergrund gerückt. Rückblickend würde ich heute sagen, dass es unsere Zeit in der Wadi Rum war, die mein Herz für das Reisen zum Schlagen gebracht hat. Wir cruisten mit XXXX durch seine Wüste. Immer wieder hielt er an und zeigte uns die verschiedensten Felsformationen, tolle Fotospots, kleine versteckte Trails sowie besondere Sandbänke und Dünen. Dabei war alles immer sehr privat und höflich, nett und zuvorkommend, er stellte sich einfach vollkommen auf uns ein. Am Ende des Tages erreichten wir das Camp. Durch unsere Reisezeit Anfang August waren wir übrigens die Einzigen hier. Am Abend gab es ein BBQ im Wüstensand, unter einem Sternenhimmel mit dem man sich wirklich am liebsten hätte zudecken wollen. Die Nacht war nicht wirklich komfortabel, aber was erwartet man in einem Wüstencamp, sicher keinen Luxus? Außerdem war sie sowieso kurz, da das frühe Aufstehen um einen Sonnenaufgang in der Wüste zu erleben natürl

ich Pflicht war. Der Sonnenuntergang am Abend und – Aufgang am Morgen war der krönende Abschluss unseres Wüstenabenteuers. Es gab noch ein kräftiges Nomaden-Frühstück mit Bohnen, Eiern und Speck, dann ging es zurück.

Die Wadi Rum entfaltete sich in dieser Zeit für uns in ihrer vollen Pracht, so unendlich weit, so brütend heiß, so klar und rein, so bedrohlich, aber auch wunderschön, vielfältig, einsam und beruhigend. Die Zeit in der Wüste war für mich schon fast spirituell und meditativ. Eine Zeit, die ich niemals missen möchte und über die ich extrem froh bin, dass ich sie mit meiner Frau teilen durfte. Nach der Wadi Rum möchte ich nicht mehr nur irgendwelche Orte sehen, an denen Blockbuster gedreht wurden. Ich möchte Orte sehen, die mich berühren, mich glücklich machen und die selbst wenn ich nur an sie zurückdenke mich wieder lächeln lassen. Beim Schreiben dieses Artikels geht es mir gerade genauso.

Ach ja, die Geschichte mit der Bezahlung endete übrigens damit, dass wir zu unserem Auto zurückgebracht wurden, uns erklärte wurde, dass die nächsten Geldautomaten ca. 45 min entfernt sind und wir einfach fahren gelassen wurden, um das Geld zu holen. Unser Guide hatte immer wieder betont, wie gut seine Menschenkenntnis ist, dass wir vertrauenswürdig seien, und dass ihm das Geld nicht so wichtig sei. Er möchte einfach, dass wir Jordanien in der bestmöglichen Erinnerung behalten. Wenn wir uns bedanken wollen und uns wohlgefühlt haben, sollen wir ihm bitte eine gute Bewertung bei TripAdvisor schreiben. Meine Frau und ich saßen im Auto und konnten es nicht glauben, er hatte nichts weiter als eine Handynummer, keinen Pfand, keinen Pass oder sonst irgendetwas, das uns gezwungen hätte, zu ihm zurückzukehren. Er hatte nur sein Vertrauen in uns. Beide Geldautomaten waren leer. Wir fuhren also zurück zum Hotel, hoben das Geld ab, riefen ihn an, packten das Geld in einen Umschlag und hinterlegten es an der Rezeption. Wir fanden später heraus, dass er es bekommen hatte, weil er sich für das Trinkgeld bedankte. Für mich bis heute eine unglaubliche Geschichte, obwohl ich sie selbst erlebt habe. Aber diese Geschichte spiegelt für mich Jordanien als Reiseland wider.

Canyoning in Jordanien

Mit zwei Tagen mehr Zeit, wären mir mit Sicherheit nach der Wadi Rum weiter gen Süden gefahren. Die Einheimischen verrieten uns schon in Wadi Musa, dass schnorcheln im Roten Meer und somit die Stadt Aqaba ebenso bei keiner Jordanienreise fehlen darf. Wir hatten die Wahl zwischen der Wadi Rum und Aqaba. Im Nachhinein haben wir uns in meinen Augen völlig richtig entschieden. Darum an dieser Stelle nur der Hinweise auf ein anderes von Einheimischen empfohlenes Highlight. Wie gesagt unsere Reise befand sich am Scheitelpunkt und wir mussten nun langsam wieder Richtung Flughafen und somit zurück nach Amman.

Auf unserem Rückweg entlang des Toten Meeres war es meine Frau, die meinte: „Lass uns doch noch ein Abenteuer erleben. Klar, also an was hast du gedacht? In einer halben Stunde passieren wir Wadi Mujib, dort kann man Canyoning.“ Was grundsätzlich heißt, man wandert durch Canyons und erkundet sie mittels laufen, schwimmen, abseilen, klettern und so weiter. Ich hatte es noch nie gemacht, aber es klang total cool und weckte das Kind in mir. Und schlussendlich OH MEIN GOTT WAR DAS COOL!!! Frage ich meine Frau heute nach ihrem Highlight unserer Jordanien-Reise sagt sie jedes Mal „Das Canyoning“. Wir konnten wählen zwischen verschiedensten Schwierigkeitsgraden und Traillängen, von 2 bis 8 Stunden. Aufgrund von Zeit und etwas Respekt entschieden wir uns für den kürzesten Trail, man will ja nicht vor seiner Frau dastehen, als würde man(n) irgendetwas nicht können. Die Sicherheitsbestimmungen in Jordanien für eine solche Aktivität sind ehrlich gesagt lächerlich. Es gab eine Schwimmweste und los ging es. Zum Glück hatten wir uns schon für das Tote Meer mit Wasserschuhen ausgerüstet. Diese zählen beim Canyoning definitiv zur Standardausrüstung und erleichtern alles ungemein. Kein Guide, kein Helm, keine Aufpasser, keine Hinweisschilder, keine Absperrungen oder Einschränkungen entlang des Trails. Na ja, wenigstens konnten wir uns nicht verlaufen, in einer Schlucht gibt es nur zwei Wege, vor oder zurück. Da standen wir nun bis zum Bauchnabel im Wasser, unser Ziel einen Wasserfall in etwa 2-3 km Entfernung flussaufwärts. Wir überwanden Strömungen und kleinere Wasserfälle durch Schwimmen und Klettern. Wir fühlten uns wirklich wie die geborenen Abenteurer und hatten unglaublich viel Spaß. Der Wasserfall am Ende war wie ein natürlicher Sprungturm und bot einmal mehr ein tolles Erlebnis. Auf dem Weg zurück wurden die Hindernisse des Hinwegs zu natürlichen Wasserrutschen. Es war einfach ein superkurzweiliges Abenteuer mit einer Menge „Thrill“ und ganz viel Aktivität. Wer immer Lust auf etwas Sportliches hat, aber nicht den ganzen Tag wandern, biken oder klettern möchte, der ist beim Einsteiger-Canyoning wirklich gut aufgehoben. Wir werden bei unseren nächsten Trips definitiv wieder einen Canyon bezwingen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Und dann auch gern den Ganzen J.

Abschied, das Erwachen der Reiselust

Nach einer letzten Nacht in Amman ging es zurück nach Deutschland. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Reise, die zwar nicht meine erste im erwachsenen Alter war, sich aber wie meine erste richtige Reise anfühlte. Sicherlich bin ich vorher verreist, aber niemals so. Nie habe ich mich so aus meiner Komfortzone reißen – und mich am Ende so von einer anderen Kultur treiben lassen. Wir haben in diesen 6 Tagen so viel erlebt und so viel gemacht, dass ich mich, als wir wieder im Flugzeug saßen, nicht wirklich erholt fühlte. Allerdings kam die Erholung später häppchenweise, als ich begann alles zu verarbeiten. Noch nie zuvor ist mir eine Reise so in Erinnerung geblieben wie diese, immerhin schreibe ich diesen Artikel gerade über 2 Jahre später. Trotzdem fange ich wieder an zu lächeln und bekomme Gänsehaut. Natürlich hängt das immer damit zusammen, mit wem man reist und für welche Erlebnisse man sich aktiv entscheidet. Aber es geht auch darum, wie sehr einen das Land selbst beeindruckt. Jordanien hat es geschafft alle negativen Erfahrungen, die ich aus orientalischen Ländern hatte zu vergessen. Jordanien hat uns nicht das Gefühl gegeben, Touristen zu sein, die man melken kann. Wir hatten in keiner Sekunde daran gedacht, über den Tisch gezogen zu werden. Die Menschen wollen respektiert werden und respektieren. Es gibt unglaublich viel Tradition, aber auch Offenheit. Ich weiß nicht, ob es damit zusammenhängt, dass der Tourismus in Jordanien noch nicht in der Größenordnung angekommen ist wie in Ägypten, der Türkei oder Tunesien und man versucht darauf hinzuarbeiten, um den Tourismus als größere Einnahmequelle zu akquirieren. Ehrlich gesagt ist es mir auch relativ egal. Wir jedenfalls haben kein einziges „schwarzes Schaf“ getroffen und können Jordanien wärmstens als Reiseziel und (noch) Geheimtipp weiterempfehlen. Unsere Geschichte um Wadi Rum beschreibt für mich am eindrucksvollsten wie dieses Land auf mich gewirkt und was es in mir ausgelöst hat.

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