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Heiraten in den USA – nur wir Zwei, romantisch und ohne Stress

Warum wir uns dazu entschieden haben? Ich für meinen Teil wollte eigentlich niemals heiraten, ich brauche keinen Ring oder Dokumente, um zu beweisen, dass ich den Rest meines Lebens mit meiner Frau verbringen möchte. Die Entscheidung für die Ehe bleibt eine Entscheidung, die jedes Paar für sich treffen muss. Ich, der wie gesagt eigentlich nicht heiraten wollte, muss gestehen, ich selbst fühle mich nicht anders, aber meine Beziehung fühlt sich stärker und sicherer an. Ein anderer Grund für mich gegen eine Hochzeit war, die Hochzeit selbst. Ich habe bisher mein ganzes Arbeitsleben in der Hotellerie verbracht, speziell in der Veranstaltungsbetreuung. Ich habe also diverse Hochzeiten gesehen und betreut. Meine Frau ist als Eventmanagerin tätig und kann dasselbe von sich behaupten. Man könnte also sagen, wir sind vom Fach, da ist eine Hochzeitsorganisation doch kein Problem. Aber gerade, weil wir „vom Fach“ sind, dachten wir darüber nach, dass wir immer alles perfekt für andere machen. So würde es bei unserer Hochzeit auch sein. Heißt, sobald Gäste da sind, vergessen wir uns selbst und wollen immer nur, dass alle anderen eine schöne Feier haben. Am sogenannten „schönsten Tag des Lebens“ würde es um jeden gehen, außer um uns.

Da ich zurzeit in Kalifornien lebe und arbeite, hatte ich meiner Frau zu ihrem Geburtstag einen Vegas-Trip geschenkt. Las Vegas ist nicht gerade das Synonym für eine romantische Traumhochzeit. Aber Vegas entfachte den Gedanken den Bund der Ehe auch anders eingehen zu können als im Standesamt und anschließend mit 100 Gästen bei einer ausgelassenen Feier in einer gebuchten Location. Also fragte ich meine Frau, ob wir uns den Stress nicht ersparen wollen und uns darauf besinnen, was die Ehe für uns bedeutet. Ein Versprechen, das wir einander geben, der Beginn einer gemeinsamen Reise durch alle Schönheiten und Widrigkeiten des Lebens. Die große Party, um die Freude mit Freunden und Familie zu teilen kann man immer noch schmeißen. Aber dann eben nur als Party, nicht auf der Grundlage der Hochzeit.

Wie einfach also ist das Heiraten als Deutscher in den USA?

Als Erstes muss man wissen, wo man heiraten möchte und sich mit den Gesetzen des Bundesstaates beschäftigen, jeder Staat in den USA hat seine Besonderheiten. Was ich nicht wusste, es gibt so gut wie keine Grenzen, was den Ort angeht. Grundsätzlich kann eine Hochzeitszeremonie überall stattfinden, gerade in den USA ist alles möglich, solange man das nötige Kleingeld hat. Hat man sich für einen Ort entschieden, sucht man sich ganz einfach Unterstützung online. Es gibt unzählige Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben, den „schönsten Tag im Leben“ in den USA zu organisieren. Wir haben „Julie Nourish“ und ihre Agentur „Custom Las Vegas Wedding“ um Hilfe gebeten. Alles was wir brauchten, waren unsere Reisepässe als Identitätsnachweis und das nötige Kleingeld. Nötiges Kleingeld bedeutete für uns rund $1000. Allerdings beinhaltete das auch $450 für die Limousine, die uns zu unserer Location gebracht hat. Man gönnt sich ja sonst nichts. Die verschiedenen Agenturen bieten immer auch verschiedene Pakete an, eine Basic Hochzeit, also nur die Zeremonie und ein Fotograf gibt es schon für ca. $500. Günstiger ist nur die „Vegas Drive-in Wedding Chapel“, die gibt es bereits ab $59.99. Das war uns dann aber nichts. Immerhin ist die Ehe etwas Bedeutungsvolles, an das ich mich nicht erinnern wollte wie an meinen letzten McDonalds-Besuch.

Die einzige Vorbereitung neben den Outfits war das Online-Registrieren für dir „Marriage License“ um dann am Tag selber im Courthouse der gewählten Location schneller am Express-Fenster die eigentliche „Marriage License“ unterschreiben zu können. Dieses Formular ist zwingend notwendig, um die Ehe nach der Trauung rechtskräftig machen zu können. Wie immer man die Auslandshochzeit also auch plant, wie auch in Deutschland ist der Besuch des Courthouse (in Deutschland Standesamt) Pflicht.

Nachdem wir unsere Lizenz in den Händen hielten, stellte sich auch bei mir langsam die Aufregung ein. Es ging nun zum Hotel, wo wir uns aufhübschten und unsere letzten Vorbereitungen trafen. Übrigens hatte ich für meine Frau noch einen Friseurtermin gebucht, leider am anderen Ende von Vegas…

Auch dieses Problem haben wir ganz schnell gelöst. Friseure gibt es hier an jeder Ecke, daran dass „Shopping Queen-like“ jemand hereingestürmt kommt und eine Hochzeitsfrisur braucht, ist in Vegas auch ziemlich jeder gewöhntJ. Nachdem Fast-Desaster warteten wir im Hotel auf unsere Limousine und ich durfte zum erste Mal meine wunderschöne Braut in ihrer vollen Pracht bewundern. An diesem Punkt schoss es mir wieder ein, es ist wirklich egal wo oder mit wie vielen Leuten oder für wie viel Geld man heiratet. Am Ende sollte es nur um die zwei Menschen gehen, die sich so sicher sind, dass der jeweils andere eben genau der Mensch ist, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollen. Ich wollte diese Frau heiraten, und ich wollte das für mich und keine Trauung für alle anderen, keine riesen Party, kein Grund einfach irgendwas durchzuziehen, weil es alle anderen erwarten. Nur sie und ich und es fühlte sich so richtig an wie noch nie etwas in meinem Leben zuvor.

Unsere Limousine, ein gestretchter Lincoln Continental, brachte uns zu unserer gewählten Location. Auf der einstündigen Fahrt durch die Wüste Nevadas zelebrierten wir natürlich die Limousine und hatten eine ganz eigene Privatparty. Unserer persönlicher „Awesome-Mix“ beflügelte unsere Laune nur noch mehr. Kurze Randnotiz, Limousinen sind AWESOMEJ! Wir erreichten Nelson Ghost Town, eine verlassene Minenstadt, ein Traum von einer Geisterstadt und eben nicht mehr Las Vegas. Wir trafen auch direkt auf ein anderes Paar, das dort getraut wurde, unerwartet… Begrüßt wurden wir von unserem Fotografen, Julie traf etwas später ein. Nach ersten Glückwünschen verabschiedete sich der Fotograf, um die Location zu scouten. Julie hatte natürlich einen Ort für unsere Zeremonie im Sinn, das Obergeschoss einer alten Scheune, unglaublich schön. Die Zeremonie war äußerst casual, nett, kurzweilig und sehr schön. Genau das, was wir uns vorgestellt hatten. Der Fotograf fungierte gleichzeitig als Trauzeuge, da dies Pflicht ist. Es war wirklich perfekt für uns, minimalistisch und auf das Wesentliche beschränkt. Trotz all des Minimalismus werde ich diese paar Minuten niemals vergessen. Das Gefühl, welches in mir aufstieg, als ich meiner Frau in die Augen sah, um uns herum, mit der Geisterstadt ein Sinnbild der Vergänglichkeit. In dem Moment als ich „I do“ sagte, war es, als würde die Zeit stehenbleiben und ein jemand würde zu mir sagen, genau dieser Moment ist der Cut zwischen: Allem, was war und Allem, was kommt. Ich war einfach nur glücklich und sah in ihren Augen, meine und unsere Zukunft. Alles richtig gemacht, würde ich sagen, denn an diesem Punkt waren wir beide das Zentrum der Welt. Nach der Trauung gab es dann die obligatorische Fotosession, in einer nicht so obligatorischen Umgebung. Julie verschwand genauso schnell, wie sie auftauchte, da sie an diesem Tag noch zwei weitere Hochzeiten auf dem Vegas Strip hatte, Vegas eben. An diesem Punkt darf man nicht vergessen, dass es reines Business ist. Wer überschwängliche Glückwünsche erwartet, ist bei dieser Art von Hochzeit falsch.

Als wir unsere im Duty-Free gekaufte Flasche Veuve Clicquot in der Limo geleert hatten und zurück in unserem Hotel waren, ging es zum Ausklang unseres Hochzeitstags auf dem „Strip“ und zu der Boyz II Men Show im Mirage Hotel. Unser Hochzeitsdinner waren zwei Hotdog Megamenüs. Das hatte natürlich nichts mehr mit dem vorab gebuchten Wedding-Package zutun, aber es war unser Tag und unsere Nacht. Es gab nur uns zwei und auch wenn der Spruch „wir haben heute geheiratet, es ist unser Hochzeitstag“ in Las Vegas keine Türen öffnet, so wird mir dieser Tag doch ewig als wirklich der bisher schönste Tag in meinem Leben in Erinnerung bleiben.

Anerkennung in Deutschland

Eine in Amerika geschlossene Ehe ist in Deutschland gültig. Geht es dann allerdings um die Änderung der Steuerklassen oder des Namens, muss man die Eheschließung vom deutschen Staat anerkennen lassen. Dazu braucht man die Heiratsurkunde mit der Apostille des entsprechenden Bundesstaates „fest verbunden“, diese wird nach der Hochzeit auf dem Postweg zugeschickt (auf die Apostille muss man allerdings gesondert hinweisen), deren beglaubigte Übersetzung, sowie die Geburtsurkunden/ Abschriften aus dem Geburtenregister (bestellt man ganz einfach online beim Standesamt des Geburtsortes, kosten 10 Euro p. P.) und Identitätsnachweise (Personalausweis oder Reisepass). Die deutsche Bürokratie ist doch etwas aufwendiger, als die amerikanische. Wichtig ist aber, dass ich noch einmal betonen möchte, die Eheschließung in den USA ist direkt gültig und wird ohne Probleme anerkannt.

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Manuel GollertKatharina Müller Recent comment authors
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Katharina Müller
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Perfect Couple!

Manuel Gollert
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Manuel Gollert

Vielen Dank!!! Es war einfach perfekt für uns 🙂